{"id":1299,"date":"2024-03-19T10:22:36","date_gmt":"2024-03-19T09:22:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgjd.de\/?p=1299"},"modified":"2024-03-19T10:22:36","modified_gmt":"2024-03-19T09:22:36","slug":"als-unsui-und-shin-buddhist-einmal-um-die-welt-thailand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/2024\/03\/19\/als-unsui-und-shin-buddhist-einmal-um-die-welt-thailand\/","title":{"rendered":"Als Unsui und Shin-Buddhist einmal um die Welt: Thailand"},"content":{"rendered":"\n<p>von Meik N\u00f6rling<\/p>\n\n\n\n<p>Den ganzen Februar \u00fcber habe ich mich in Thailand aufgehalten und bin haupts\u00e4chlich in Begleitung meiner Freundin Ratri gereist, die ich hier bei meiner ersten Weltreise, Ende 2016, in einer Kneipe in Chiang Mai kennengelernt hatte, wo sie als K\u00fcchenhilfe einen Zweitjob hatte. In dieser Kneipe haben mein Cousin, der mich in Thailand begleitete und ich uns \u00f6fter mal ein Bierchen und ein Gl\u00e4schen Whiskey geg\u00f6nnt, so kam man ins Gespr\u00e4ch, tauscht Facebook-Daten aus und irgendwie sind Ratri und ich dann in Kontakt geblieben. Ich hatte sie Ende 2019 \/ Anfang 2020 nochmal in Chiang Mai besucht und wir waren zusammen f\u00fcr den Jahreswechsel nach Chiang Rai gereist und dann nach Hat Yai \u2013 als ich um den 10.01.2020 via Beijing nach Deutschland zur\u00fcck flog machten in den Medien schon Berichte \u00fcber eine seltsame Krankheit in der VR China die Runde. Ich hatte mich mit Ratri darauf verst\u00e4ndigt, dass sie mich im Sommer 2020 in Deutschland besuchen k\u00f6nnte \u2013 COVID-m\u00e4\u00dfig konnten wir das erst im Sommer 2022 verwirklichen. Da Chiang Mai zu meinen Lieblingsorten in Thailand geh\u00f6rt, lag es nah, ihre dortige Wohnung quasi als Basis f\u00fcr Nordthailand zu nutzen, womit sie auch einverstanden war. Zwischenzeitlich ist sie selbstst\u00e4ndig und betreibt mit einer Freundin einen Hostel-Betrieb in dem Backpacker-St\u00e4dtchen Pai.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir starteten unsere Reise in&nbsp;<strong>Pattaya<\/strong>, wo ich mich auch mit Guido vom Angkor-Verlag traf \u2013 wir stehen seit l\u00e4ngerem in E-Mail-Kontakt und hatten uns pers\u00f6nlich 2013 in Siam Reap in Kambodscha kennengelernt. Von Pattaya aus ging es zuerst nach&nbsp;<strong>Bangkok<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Ayuthaya<\/strong>, dann nach&nbsp;<strong>Krabi<\/strong>&nbsp;und von dort nach&nbsp;<strong>Chiang Mai<\/strong>. Nach ein paar Tagen in dieser gr\u00f6\u00dften Stadt im n\u00f6rdlichen Thailand fuhren wir ins Backpackerst\u00e4dtchen&nbsp;<strong>Pai<\/strong>, von dort aus ins&nbsp;<strong>Kloster Wat Pu Tam Wua Forest Retreat<\/strong>, wo wir vier Tage am dauerhaften Retreatprogramm teilnahmen. Dann ging es via Pai wieder zur\u00fcck nach Chiang Mai.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf unserer Reise haben wir zahlreiche buddhistische Tempel besucht, \u00fcberall wo wir waren, insbesondere aber in Chiang Mai, wo es mit Sicherheit genau so viele, wenn nicht sogar noch mehr Tempel und Kl\u00f6ster gibt als in Kyoto. Ratri wurde nicht m\u00fcde, mir neue Tempel vorzuschlagen, von denen ich viele auch noch nicht kannte, obwohl ich zuvor schon drei Mal in Chiang Mai war. Ich gew\u00f6hnte mir auch schnell die hier \u00fcblichen kurzen Andachtsformen f\u00fcr den pers\u00f6nlichen kurzen Tempel-Besuch an: Gegen eine kleine Spende erwirbt man \u00fcblicherweise ein B\u00fcndel mit Blume, Kerze und drei R\u00e4ucherst\u00e4bchen, man betritt die Tempelhalle ohne Schuhe, geht langsam zum ausgelegten Teppich und bewegt sich auf diesem auf Knien in Richtung Altar, wo man dann in der Hocke Platz nimmt und aus dieser Position heraus drei Niederwerfungen macht [Hocke bis Boden und zur\u00fcck]. Mit zusammengelegten H\u00e4nden verrichtet man dann leise oder auch lautlos seine Gebete, wobei ich nat\u00fcrlich nicht wei\u00df, was die Thais so beten. Bei mir beginnt das meist mit einer Ehrerbietung und \/ oder mit der Dreifachen Zufluchtnahme. Dann kommt ein kurzes Sutra aus der Zen- bzw. Tendai-Tradition [unsere Shinshu-Texte aus dem Andachtsbuch sind etwas lang], ein, zwei S\u00e4tze aus dem Tannisho, die ich auswendig kenne, oder einfach zehn Nenbutsu. Mit drei Niederwerfungen schlie\u00dft man ab und dann legt man entweder das B\u00fcndel auf den Altar oder, wenn Kerzenst\u00e4nder und R\u00e4ucherschale schon in Betrieb sind, dann legt man nur die Blume ab, entz\u00fcndet sp\u00e4ter Kerze und R\u00e4ucherst\u00e4bchen vor der Halle und opfert die dort separat.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des&nbsp;<strong>Klosteraufenthalts im Wat Pu Tam Wua<\/strong>&nbsp;wurden zu diesem Prozedere, insbesondere zu den Niederwerfungen auch einige Erkl\u00e4rungen gegeben, auch dazu, dass bei allen Verrichtungen Achtsamkeit ge\u00fcbt werden sollte. Besonderer Augenmerk wurde da auch auf die Essensspenden gelegt, die man als gl\u00e4ubiger Laien-Buddhist in Thailand fr\u00fchmorgens und gegebenfalls erneut kurz vor Mittag den Bhikkhus (vollordinierten M\u00f6nchen), Novizen und Maechi (thail\u00e4ndische Acht-Gel\u00fcbde-Nonnen) zukommen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wurde auch im Kloster ge\u00fcbt: die durchschnittlich 120 vor allem ausl\u00e4ndischen Retreat-Teilnehmer spendeten den zehn bis f\u00fcnfzehn Bhikkhus und nicht nur hierbei wurde strikt auf Geschlechtertrennung und Rangordnung Wert gelegt: Zuerst Bhikkhus, dann Novizen, dann M\u00e4nner, dann Maechi, dann Frauen \u2013 das war die festgelegte Rangfolge. Insbesondere einige Travelerinnen aus dem Westen taten sich etwas schwer mit dieser Ordnung und anhand der Fragen, die sie stellten, merkte man, dass ihnen das eigentlich gegen den Strich ging. Immerhin f\u00fcgten sie sich trotzdem in den Klosteralltag ein. Bei anderen Aspekten funktionierte das nicht ganz so gut. So kam es vor, dass einige Retreat-Teilnehmer sich w\u00e4hrend der Meditation in der Dharma-Hall hinter S\u00e4ulen positionierten, um w\u00e4hrend der Sitzmeditation zu lesen, zu schreiben oder mit dem Smartphone zu daddeln. Die Bhikkhus sa\u00dfen vorn auf dem Podest und bekamen das nicht mit. Eine chinesische Teilnehmerin hatte irgendwann vergessen, ihre Ohrst\u00f6psel leiser zu stellen, und so h\u00f6rten wir dann f\u00fcr zehn Minuten w\u00e4hrend der ansonsten stillen Meditation einen chinesischen Podcast, der sogar mit recht lauter Musik untermalt war. F\u00fcr mich fraglich, warum man sich einen recht spartanischen Klosteraufenthalt mit nur zwei Mahlzeiten t\u00e4glich und teilweise Sammelunterk\u00fcnften antut, wenn man sowieso nicht wirklich \u201ehier\u201c ist, sondern (gedanklich) ganz woanders?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den Dharma-Talks strichen die Bhikkhus insbesondere auch bei den Frage-und-Antwort-Runden heraus, dass es auf dem Buddha-Weg zwei v\u00f6llig unterschiedliche Herangehensweise g\u00e4be: Beim monastische Weg ist \u201eGl\u00fcck\u201c das Erwachen und die letztendliche Erleuchtung. Sie kann in diesem Leben erreicht werden, indem man das Vinaya einh\u00e4lt, eine Meditationspraxis aufrecht erh\u00e4lt und die Pali-Texte studiert.&nbsp;Auf dem Laien-Weg dr\u00fcckt sich \u201eGl\u00fcck\u201c in materiellem Wohlstand, (vor\u00fcbergehender) Befriedigung und der Aussicht auf ein gutes k\u00fcnftiges Leben aus.&nbsp;Um das aufzubauen, werden ein&nbsp;rechtschaffenes Leben mit gelegentlichen buddhistischen \u00dcbungen,&nbsp;verdienstvollen Taten&nbsp;und Unterst\u00fctzung der Ordinierten-Sangha empfohlen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade diese Sichtweise und Unterscheidung hat der Mahayana, und insbesondere nat\u00fcrlich der Shin-Buddhismus, schon fr\u00fch aufzuweichen versucht. Auch einigen Retreat-Teilnehmenden war anzumerken, dass diese Unterscheidung, diese strikte Trennung zwischen \u201eOrdinierten und Laien\u201c, f\u00fcr sie eigentlich unbefriedigend ist. Auch die Antworten auf die Frage, ob Frauen denn auch \u201eBhikkhu\u201c werden, und damit auch vorne auf dem Podest sitzen und Erleuchtung erlangen k\u00f6nnten, war nat\u00fcrlich f\u00fcr westliche emanzipierte junge Frauen schwer zu verdauen. Im Kloster gerieten traditionelle Theravada- und thail\u00e4ndisch-kulturelle Aspekte auf der einen Seite und westliche Vorstellungen von Freiheit, Individualit\u00e4t und Gleichheit auf der anderen, h\u00e4ufig aneinander, doch zum Gl\u00fcck artete nichts aus, alles wurde insbesondere innerlich ausgefochten bzw. \u201eaus dem Kloster mit hinaus genommen\u201c. In Chiang Mai hatte ich Ende 2016 schon einen zweit\u00e4gigen Crash-Kurs gemacht und wusste somit, was mich erwartete \u2013 dass man sich im Kloster zur\u00fccknehmen muss, war f\u00fcr mich klar. F\u00fcr mich war eher das Zur\u00fccknehmen meiner zen- und shinbuddhistischen Mahayana-Identit\u00e4t eine Herausforderung, denn auf viele der Fragen der anderen Teilnehmenden an die Bhikkhus gab es aus meiner Sicht tats\u00e4chlich Antworten aus den Mahayana-Traditionen, die diesen eher zugesagt und sie vers\u00f6hnlich gestimmt h\u00e4tten. Aber gerade hier war es nicht meine Aufgabe, ungefragt den Abweichler, den Spalter und Besserwisser zu machen, und so war dann auch f\u00fcr mich Zur\u00fcckhaltung das Gebot der Stunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders sah es da in den Monk-Chats in Chiang Mai aus, wo man sich in manchen Kl\u00f6stern zu bestimmten Tageszeiten mit jungen Novizen und Bhikkhus treffen und austauschen kann. Da konnte man sich dann als ordinierter Mahayana-Buddhist japanischer Tradition outen und sich \u00fcber Unterschiede und Gemeinsamkeiten austauschen. Hierbei durfte ich dann auch feststellen, dass&nbsp; es neben den traditionellen Theravada-Bhikkhus der thail\u00e4ndischen Tradition auch solche gibt, die in Deutschland anhand ihrer Einstellung eher dem S\u00e4kularen Buddhismus zugerechnet worden w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt schon eine sehr spannende Zeit in Thailand, die Ende Februar, mit einem Flug nach Danang in Vietnam, aber noch nicht abgeschlossen war.<\/p>\n\n\n\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;69e7fa06c130b&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"69e7fa06c130b\" class=\"wp-block-image size-large wp-lightbox-container\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Meik_Thailand_1-1024x768.jpeg\" alt=\"Wat Po in Bangkok. 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In dieser Kneipe haben mein Cousin, der mich in Thailand begleitete und ich uns \u00f6fter mal ein Bierchen und ein Gl\u00e4schen Whiskey geg\u00f6nnt, so kam man ins Gespr\u00e4ch, tauscht Facebook-Daten aus und irgendwie sind Ratri und ich dann in Kontakt geblieben. Ich hatte sie Ende 2019 \/ Anfang 2020 nochmal in Chiang Mai besucht und wir waren zusammen f\u00fcr den Jahreswechsel nach Chiang Rai gereist und dann nach Hat Yai \u2013 als ich um den 10.01.2020 via Beijing nach Deutschland zur\u00fcck flog machten in den Medien schon Berichte \u00fcber eine seltsame Krankheit in der VR China die Runde. Ich hatte mich mit Ratri darauf verst\u00e4ndigt, dass sie mich im Sommer 2020 in Deutschland besuchen k\u00f6nnte \u2013 COVID-m\u00e4\u00dfig konnten wir das erst im Sommer 2022 verwirklichen. Da Chiang Mai zu meinen Lieblingsorten in Thailand geh\u00f6rt, lag es nah, ihre dortige Wohnung quasi als Basis f\u00fcr Nordthailand zu nutzen, womit sie auch einverstanden war. Zwischenzeitlich ist sie selbstst\u00e4ndig und betreibt mit einer Freundin einen Hostel-Betrieb in dem Backpacker-St\u00e4dtchen Pai. Wir starteten unsere Reise in&nbsp;Pattaya, wo ich mich auch mit Guido vom Angkor-Verlag traf \u2013 wir stehen seit l\u00e4ngerem in E-Mail-Kontakt und hatten uns pers\u00f6nlich 2013 in Siam Reap in Kambodscha kennengelernt. Von Pattaya aus ging es zuerst nach&nbsp;Bangkok&nbsp;und&nbsp;Ayuthaya, dann nach&nbsp;Krabi&nbsp;und von dort nach&nbsp;Chiang Mai. Nach ein paar Tagen in dieser gr\u00f6\u00dften Stadt im n\u00f6rdlichen Thailand fuhren wir ins Backpackerst\u00e4dtchen&nbsp;Pai, von dort aus ins&nbsp;Kloster Wat Pu Tam Wua Forest Retreat, wo wir vier Tage am dauerhaften Retreatprogramm teilnahmen. Dann ging es via Pai wieder zur\u00fcck nach Chiang Mai. Auf unserer Reise haben wir zahlreiche buddhistische Tempel besucht, \u00fcberall wo wir waren, insbesondere aber in Chiang Mai, wo es mit Sicherheit genau so viele, wenn nicht sogar noch mehr Tempel und Kl\u00f6ster gibt als in Kyoto. Ratri wurde nicht m\u00fcde, mir neue Tempel vorzuschlagen, von denen ich viele auch noch nicht kannte, obwohl ich zuvor schon drei Mal in Chiang Mai war. Ich gew\u00f6hnte mir auch schnell die hier \u00fcblichen kurzen Andachtsformen f\u00fcr den pers\u00f6nlichen kurzen Tempel-Besuch an: Gegen eine kleine Spende erwirbt man \u00fcblicherweise ein B\u00fcndel mit Blume, Kerze und drei R\u00e4ucherst\u00e4bchen, man betritt die Tempelhalle ohne Schuhe, geht langsam zum ausgelegten Teppich und bewegt sich auf diesem auf Knien in Richtung Altar, wo man dann in der Hocke Platz nimmt und aus dieser Position heraus drei Niederwerfungen macht [Hocke bis Boden und zur\u00fcck]. Mit zusammengelegten H\u00e4nden verrichtet man dann leise oder auch lautlos seine Gebete, wobei ich nat\u00fcrlich nicht wei\u00df, was die Thais so beten. Bei mir beginnt das meist mit einer Ehrerbietung und \/ oder mit der Dreifachen Zufluchtnahme. Dann kommt ein kurzes Sutra aus der Zen- bzw. Tendai-Tradition [unsere Shinshu-Texte aus dem Andachtsbuch sind etwas lang], ein, zwei S\u00e4tze aus dem Tannisho, die ich auswendig kenne, oder einfach zehn Nenbutsu. Mit drei Niederwerfungen schlie\u00dft man ab und dann legt man entweder das B\u00fcndel auf den Altar oder, wenn Kerzenst\u00e4nder und R\u00e4ucherschale schon in Betrieb sind, dann legt man nur die Blume ab, entz\u00fcndet sp\u00e4ter Kerze und R\u00e4ucherst\u00e4bchen vor der Halle und opfert die dort separat. W\u00e4hrend des&nbsp;Klosteraufenthalts im Wat Pu Tam Wua&nbsp;wurden zu diesem Prozedere, insbesondere zu den Niederwerfungen auch einige Erkl\u00e4rungen gegeben, auch dazu, dass bei allen Verrichtungen Achtsamkeit ge\u00fcbt werden sollte. Besonderer Augenmerk wurde da auch auf die Essensspenden gelegt, die man als gl\u00e4ubiger Laien-Buddhist in Thailand fr\u00fchmorgens und gegebenfalls erneut kurz vor Mittag den Bhikkhus (vollordinierten M\u00f6nchen), Novizen und Maechi (thail\u00e4ndische Acht-Gel\u00fcbde-Nonnen) zukommen l\u00e4sst. Das wurde auch im Kloster ge\u00fcbt: die durchschnittlich 120 vor allem ausl\u00e4ndischen Retreat-Teilnehmer spendeten den zehn bis f\u00fcnfzehn Bhikkhus und nicht nur hierbei wurde strikt auf Geschlechtertrennung und Rangordnung Wert gelegt: Zuerst Bhikkhus, dann Novizen, dann M\u00e4nner, dann Maechi, dann Frauen \u2013 das war die festgelegte Rangfolge. Insbesondere einige Travelerinnen aus dem Westen taten sich etwas schwer mit dieser Ordnung und anhand der Fragen, die sie stellten, merkte man, dass ihnen das eigentlich gegen den Strich ging. Immerhin f\u00fcgten sie sich trotzdem in den Klosteralltag ein. Bei anderen Aspekten funktionierte das nicht ganz so gut. So kam es vor, dass einige Retreat-Teilnehmer sich w\u00e4hrend der Meditation in der Dharma-Hall hinter S\u00e4ulen positionierten, um w\u00e4hrend der Sitzmeditation zu lesen, zu schreiben oder mit dem Smartphone zu daddeln. Die Bhikkhus sa\u00dfen vorn auf dem Podest und bekamen das nicht mit. Eine chinesische Teilnehmerin hatte irgendwann vergessen, ihre Ohrst\u00f6psel leiser zu stellen, und so h\u00f6rten wir dann f\u00fcr zehn Minuten w\u00e4hrend der ansonsten stillen Meditation einen chinesischen Podcast, der sogar mit recht lauter Musik untermalt war. F\u00fcr mich fraglich, warum man sich einen recht spartanischen Klosteraufenthalt mit nur zwei Mahlzeiten t\u00e4glich und teilweise Sammelunterk\u00fcnften antut, wenn man sowieso nicht wirklich \u201ehier\u201c ist, sondern (gedanklich) ganz woanders?&nbsp; In den Dharma-Talks strichen die Bhikkhus insbesondere auch bei den Frage-und-Antwort-Runden heraus, dass es auf dem Buddha-Weg zwei v\u00f6llig unterschiedliche Herangehensweise g\u00e4be: Beim monastische Weg ist \u201eGl\u00fcck\u201c das Erwachen und die letztendliche Erleuchtung. Sie kann in diesem Leben erreicht werden, indem man das Vinaya einh\u00e4lt, eine Meditationspraxis aufrecht erh\u00e4lt und die Pali-Texte studiert.&nbsp;Auf dem Laien-Weg dr\u00fcckt sich \u201eGl\u00fcck\u201c in materiellem Wohlstand, (vor\u00fcbergehender) Befriedigung und der Aussicht auf ein gutes k\u00fcnftiges Leben aus.&nbsp;Um das aufzubauen, werden ein&nbsp;rechtschaffenes Leben mit gelegentlichen buddhistischen \u00dcbungen,&nbsp;verdienstvollen Taten&nbsp;und Unterst\u00fctzung der Ordinierten-Sangha empfohlen.&nbsp; Gerade diese Sichtweise und Unterscheidung hat der Mahayana, und insbesondere nat\u00fcrlich der Shin-Buddhismus, schon fr\u00fch aufzuweichen versucht. Auch einigen Retreat-Teilnehmenden war anzumerken, dass diese Unterscheidung, diese strikte Trennung zwischen \u201eOrdinierten und Laien\u201c, f\u00fcr sie eigentlich unbefriedigend ist. Auch die Antworten auf die Frage, ob Frauen denn auch \u201eBhikkhu\u201c werden, und damit auch vorne auf dem Podest sitzen und Erleuchtung erlangen k\u00f6nnten, war nat\u00fcrlich f\u00fcr westliche emanzipierte junge Frauen schwer zu verdauen. Im Kloster gerieten traditionelle Theravada- und thail\u00e4ndisch-kulturelle Aspekte auf der einen Seite und westliche Vorstellungen von Freiheit, Individualit\u00e4t und Gleichheit auf der anderen, h\u00e4ufig aneinander, doch zum Gl\u00fcck artete nichts aus, alles wurde insbesondere innerlich ausgefochten bzw. \u201eaus dem Kloster mit hinaus genommen\u201c. In Chiang Mai hatte ich Ende 2016 schon einen zweit\u00e4gigen Crash-Kurs gemacht und wusste somit, was mich erwartete \u2013 dass man sich im Kloster zur\u00fccknehmen muss, war f\u00fcr mich klar. F\u00fcr mich war eher das Zur\u00fccknehmen meiner zen- und shinbuddhistischen Mahayana-Identit\u00e4t eine Herausforderung, denn auf viele der Fragen der anderen Teilnehmenden an die Bhikkhus gab es aus meiner Sicht tats\u00e4chlich Antworten aus den Mahayana-Traditionen, die diesen eher zugesagt und sie vers\u00f6hnlich gestimmt h\u00e4tten. Aber gerade hier war es nicht meine Aufgabe, ungefragt den Abweichler, den Spalter und Besserwisser zu machen, und so war dann auch f\u00fcr mich Zur\u00fcckhaltung das Gebot der Stunde. Anders sah es da in den Monk-Chats in Chiang Mai aus, wo man sich in manchen Kl\u00f6stern zu bestimmten Tageszeiten mit jungen Novizen und Bhikkhus treffen und austauschen kann. Da konnte man sich dann als ordinierter Mahayana-Buddhist japanischer Tradition outen und sich \u00fcber Unterschiede und Gemeinsamkeiten austauschen. Hierbei durfte ich dann auch feststellen, dass&nbsp; es neben den traditionellen Theravada-Bhikkhus der thail\u00e4ndischen Tradition auch solche gibt, die in Deutschland anhand ihrer Einstellung eher dem S\u00e4kularen Buddhismus zugerechnet worden w\u00e4ren. Insgesamt schon eine sehr spannende Zeit in Thailand, die Ende Februar, mit einem Flug nach Danang in Vietnam, aber noch nicht abgeschlossen war.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1299","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"gb","enabled_languages":["de","gb"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"gb":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1299"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1305,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1299\/revisions\/1305"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}