{"id":1361,"date":"2024-08-16T14:07:44","date_gmt":"2024-08-16T12:07:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgjd.de\/?p=1361"},"modified":"2024-08-17T15:40:46","modified_gmt":"2024-08-17T13:40:46","slug":"als-unsui-und-shin-buddhist-einmal-um-die-welt-japan-teil-1-kanto-und-kyushu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/2024\/08\/16\/als-unsui-und-shin-buddhist-einmal-um-die-welt-japan-teil-1-kanto-und-kyushu\/","title":{"rendered":"Als Unsui und Shin-Buddhist einmal um\u00a0 die Welt: Japan, Teil 1 \/ Kanto und Kyushu"},"content":{"rendered":"\n<p><em>von Meik N\u00f6rling<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Barschaft beschr\u00e4nkt sich aktuell auf unter 200 \u20ac, beide Kreditkarten sind gesperrt und mit meiner EC-Card kann man au\u00dferhalb der EU kein Bargeld abheben. Es wird fast die ganzen ersten beiden Wochen in Japan in Anspruch nehmen, die damit einhergehenden Probleme zu l\u00f6sen und nat\u00fcrlich lebe ich, bis ich an frisches Bargeld komme und bis dann neue Kreditkarten vorliegen, sparsam. Solche Aktionen wie Taxifahrten sind da nicht drin, ebenso wenig teure Museumsbesuche oder mal abends in die Kneipe gehen. Bargeld schicke ich mir von meinem Konto via Western Union (WU). Das ist einfacher als ich dachte, aber auch nicht. Die Transaktion ist simpel, kostet bei den ersten Malen nichts. Daf\u00fcr ist aber der Wechselkurs Euro in Yen so schlecht, dass man 10% verliert. Das Problem ist dann allerdings eine Filiale zu finden. Laut Google-Maps und der WU-App gibt\u2019s davon reichlich in Japan, aber erst die vierte, die ich besuche, in Tokyo, zahlt das Geld anstandslos aus. Von den anderen drei existierten zwei gar nicht mehr, obwohl sie laut Internet noch da sein m\u00fcssten, und die verbleibende Filiale, wo man kein Englisch sprach, weigerte sich auszuzahlen oder konnte das mangels Bargeld nicht. Dort bestand man auf eine telefonische Voranmeldung. (Wie das, wenn da kein Englisch gesprochen wird?) Die Kreditkarten schicken mir dann meine Eltern per Express-Kurier. Die Banken wollten daf\u00fcr mehrere Hundert Euro an Geb\u00fchren haben. Damals, 2016, hatte ich dieses Problem auch, aber nur mit einer Karte, da kostete das noch deutlich unter 100 \u20ac!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit bis alles wieder normal l\u00e4uft, nutze ich nat\u00fcrlich auch f\u00fcr meine Pilgertouren, auch wenn ich hierbei deutliche Abstriche mache und alle Ziele ausfallen lasse, f\u00fcr die eine Taxifahrt notwendig w\u00e4re. Es bleiben immer noch viele Tempel und Kl\u00f6ster in der Kanto-Region rund um Tokyo und s\u00fcdlich des Berges Fuji \u00fcbrig \u2013 zu viele, um sie hier alle aufzuf\u00fchren und \u00fcber sie zu schreiben. So beschr\u00e4nke ich mich dann vor allem auf diejenigen mit Bezug zum Shin-Buddhismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Da w\u00e4re zun\u00e4chst der <strong>Inada Gobo Sainenji<\/strong> zu nennen, der im Dorf Inada n\u00f6rdlich von Tokyo an dem Ort errichtet wurde, an den Shinran Shonin mit seiner Familie zog, als seine Verbannung nach Echigo aufgehoben wurde. Der Tempel ist kein Touri-Magnet \u2013 man muss schon wissen, warum man sich ihn anschaut und sich vorab \u00fcber seine Historie informieren, sonst wird man von dem Ort entt\u00e4uscht, insbesondere wenn man nicht der Jodo Shinshu angeh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch f\u00fcr Nicht-Shin-Buddhisten ist hingegen der <strong>Tsukiji Hongwanji<\/strong> direkt in <strong>Tokyo<\/strong> interessant, der nach dem Gro\u00dfen Kanto-Erdbeben (1923) von 1931 bis 1934 als lokaler Haupttempel unserer Jodo Shinshu Nishi Hongwanji-ha in altindischem Stil aber moderner Architektur wieder aufgebaut wurde (urspr\u00fcnglich 1617 erbaut). Hier werden zu bestimmten Zeiten sogar Andachten auf Englisch gehalten und der Tempel versteht sich als modernes Bindeglied zwischen traditionellem Shin-Buddhismus in Japan und den Shin-Buddhisten die global verstreut leben, insbesondere in den beiden Amerikas und auf Hawaii, aber nat\u00fcrlich auch andernorts in Asien, in Australien und Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem St\u00e4dtchen <strong>Chigasaki<\/strong> s\u00fcdlich des Fuji treffe ich mich im Zen-Tempel <strong>Hakuhoji<\/strong> mit Nishida Tokugen Roshi und seinem Nachfolger, dem aktuellen Abt Kuga Tetsuro-Sensei. Der Tempel der Soto Shu blickt immerhin auf eine Geschichte zur\u00fcck, die mit seiner Gr\u00fcndung 1544 begann. Hier wurde als junger Mann mein eigener Zen-Meister Bussan Shoshin Roshi vom damaligen Abt Enzui Chigen Daiosho ordiniert. Im Hakuhoji begann er quasi seine Laufbahn als Zen-M\u00f6nch. Der Friedhof des Tempels ist auch die Ruhest\u00e4tte von Enzui Chigen Daiosho. Im Hakuhoji wurde Shoshin Roshi vor ein paar Jahren von Tokugen Roshi der Dharma \u00fcbertragen, so dass auch unser Zen-Tempel Butsugenji die Linie von Enzui Chigen und Nishida Tokugen nunmehr auch in Westfalen fortsetzt. Ich tausche mich mit den beiden Zen-Priestern \u00fcber meine Reise, die Entwicklung hier und in unserem kleinen Tempel Butsugenji aus, wir essen gemeinsam zu Mittag und vollziehen abschlie\u00dfend gemeinsam eine kleine Andacht am Grab des Daiosho. Die beiden Priester w\u00fcnschen mir weiterhin alles Gute auf der Reise, wir werden nat\u00fcrlich in Kontakt bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Tage vor dem gebuchten Flug nach Fukuoka kommen die Kreditkarten im Hotel in Fujisawa an, die Reise kann nun normal weitergehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf <strong>Kyushu<\/strong> besuche ich in <strong>Hakata<\/strong> den <strong>Mangyoji<\/strong>. Das ist der Shinshu-Tempel an dem Rev. Gojun Shichiri (*1835 bis +1900) gelebt und gelehrt hat. Einhundert seiner Dharma-Talks sind in dem Buch \u201eThus Taught Master Shichiri\u201c auf Englisch \u00fcbersetzt worden, jeden der ersten 100 Tage meiner Reise hatte ich einen davon gelesen. S\u00fcdlich von Hakata besuche ich auch den <strong>Zendoji<\/strong>, das ist das \u00f6rtliche Hauptkloster der Jodo Shu Chinzei-ha, welches von Shoko-bo Bencho Shonin (*1162 bis +1238), einem \u00e4lteren Dharma-Bruder von Shinran Shonin, gegr\u00fcndet worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Im S\u00fcden der Insel war der Shin-Buddhismus lange Zeit verboten, weil die lokalen F\u00fcrsten Ikko-Ikki-Aufst\u00e4nde f\u00fcrchteten (von 1555 bis 1876). Die Anh\u00e4nger mussten zu anderen buddhistischen Schulen konvertieren. Viele \u00fcbten jedoch den Nenbutsu-Glauben in der Tradition von Shinran Shonin weiterhin im Geheimen aus. Wurden sie entdeckt, wurden sie verfolgt und bestraft. In der Stadt <strong>Kagoshima<\/strong> besuche ich den gleich nach Aufhebung des Verbots gegr\u00fcndeten <strong>Kagoshima Hongwanji<\/strong> und nehme dort&nbsp; an einer Amida-Sutra-Andacht teil. Auch den etwa zur selben Zeit gegr\u00fcndeten <strong>Koshoji Betsuin<\/strong> besuche ich. Dieser geh\u00f6rt einem anderen Zweig der Jodo Shinshu an, deren Haupttempel sich in Kyoto auf dem Nachbargrundst\u00fcck unseres Nishi Hongwanji befindet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abschluss meiner Pilgerreise auf Kyushu bildet ein Besuch des <strong>Kirishima Jingu<\/strong>. Das ist ein Shinto-Schrein am Vulkan-Berg Kirishima, der einst das Zentrum des Kirishimako-Glaubens war. Diese Sekte entstand, als sich die \u00f6rtlichen Shin-Buddhisten samt ihrer Priesterschaft zu Beginn des hiesigen Jodo Shinshu-Verbots zur Tarnung dem Schrein anschlossen. Sie praktizierten im Gebiet rund um den Schrein im Verborgenen weiter, aber \u00fcber die Jahrzehnte und Jahrhunderte sickerten \u00f6rtliche Legenden und shintoistische Vorstellungen in den Nenbutsu-Glauben und es entstand eine v\u00f6llig neue Religion, mit teilweise mir befremdlichen Auspr\u00e4gungen wie Speisevorschriften (Verbot von H\u00fchnerfleisch) und einem eigenen Sch\u00f6pfungsmythos rund um Amida Buddha. An dem Schrein bekommt man von dieser Historie heute allerdings nichts mit. Einmal kann ich die japanischen Schilder und Info-Tafeln nicht lesen, und dann ist mir unbekannt, ob der Kirishimako-Glaube \u00fcberhaupt noch existiert. Nachdem die Existenz der bis in die 1950er Jahre geheimgehalten Sekte eher zuf\u00e4llig entdeckt wurde, sanken die Mitgliederzahlen bis in die 1990er rapide. Rund um den Kirishima sind seit der Aufhebung des Verbots nat\u00fcrlich auch lokale Shinshu-Zweigtempel entstanden, denen sich die Bev\u00f6lkerung nun wieder zuwendet. In einem Interview mit einem der wenigen Kirishimako-Priester gegen Ende des letzten Jahrhunderts gab dieser an, dass die Zukunft seiner Gemeinschaft ungewiss sei. Aus meiner Sicht ist der Kirishima Jingu heute ein normaler Shinto-Schrein, aber eben einer mit einer seltsamen Geschichte, die er mit der Jodo Shinshu teilt!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_1-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1366\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_1-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_1-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_1-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_1-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_1-1140x855.jpeg 1140w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_1.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tsukiji Hongwanji in Tokyo<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_2-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1368\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_2-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_2-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_2-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_2-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_2-1140x855.jpeg 1140w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_2.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hakuhoji in Chigasaki<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_3-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1369\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_3-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_3-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_3-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_3-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_3-1140x855.jpeg 1140w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Japan_1_3.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kagoshima Hongwanji Betsuin<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Meik N\u00f6rling Meine Barschaft beschr\u00e4nkt sich aktuell auf unter 200 \u20ac, beide Kreditkarten sind gesperrt und mit meiner EC-Card kann man au\u00dferhalb der EU kein Bargeld abheben. Es wird fast die ganzen ersten beiden Wochen in Japan in Anspruch nehmen, die damit einhergehenden Probleme zu l\u00f6sen und nat\u00fcrlich lebe ich, bis ich an frisches Bargeld komme und bis dann neue Kreditkarten vorliegen, sparsam. Solche Aktionen wie Taxifahrten sind da nicht drin, ebenso wenig teure Museumsbesuche oder mal abends in die Kneipe gehen. Bargeld schicke ich mir von meinem Konto via Western Union (WU). Das ist einfacher als ich dachte, aber auch nicht. Die Transaktion ist simpel, kostet bei den ersten Malen nichts. Daf\u00fcr ist aber der Wechselkurs Euro in Yen so schlecht, dass man 10% verliert. Das Problem ist dann allerdings eine Filiale zu finden. Laut Google-Maps und der WU-App gibt\u2019s davon reichlich in Japan, aber erst die vierte, die ich besuche, in Tokyo, zahlt das Geld anstandslos aus. Von den anderen drei existierten zwei gar nicht mehr, obwohl sie laut Internet noch da sein m\u00fcssten, und die verbleibende Filiale, wo man kein Englisch sprach, weigerte sich auszuzahlen oder konnte das mangels Bargeld nicht. Dort bestand man auf eine telefonische Voranmeldung. (Wie das, wenn da kein Englisch gesprochen wird?) Die Kreditkarten schicken mir dann meine Eltern per Express-Kurier. Die Banken wollten daf\u00fcr mehrere Hundert Euro an Geb\u00fchren haben. Damals, 2016, hatte ich dieses Problem auch, aber nur mit einer Karte, da kostete das noch deutlich unter 100 \u20ac! Die Zeit bis alles wieder normal l\u00e4uft, nutze ich nat\u00fcrlich auch f\u00fcr meine Pilgertouren, auch wenn ich hierbei deutliche Abstriche mache und alle Ziele ausfallen lasse, f\u00fcr die eine Taxifahrt notwendig w\u00e4re. Es bleiben immer noch viele Tempel und Kl\u00f6ster in der Kanto-Region rund um Tokyo und s\u00fcdlich des Berges Fuji \u00fcbrig \u2013 zu viele, um sie hier alle aufzuf\u00fchren und \u00fcber sie zu schreiben. So beschr\u00e4nke ich mich dann vor allem auf diejenigen mit Bezug zum Shin-Buddhismus. Da w\u00e4re zun\u00e4chst der Inada Gobo Sainenji zu nennen, der im Dorf Inada n\u00f6rdlich von Tokyo an dem Ort errichtet wurde, an den Shinran Shonin mit seiner Familie zog, als seine Verbannung nach Echigo aufgehoben wurde. Der Tempel ist kein Touri-Magnet \u2013 man muss schon wissen, warum man sich ihn anschaut und sich vorab \u00fcber seine Historie informieren, sonst wird man von dem Ort entt\u00e4uscht, insbesondere wenn man nicht der Jodo Shinshu angeh\u00f6rt. Auch f\u00fcr Nicht-Shin-Buddhisten ist hingegen der Tsukiji Hongwanji direkt in Tokyo interessant, der nach dem Gro\u00dfen Kanto-Erdbeben (1923) von 1931 bis 1934 als lokaler Haupttempel unserer Jodo Shinshu Nishi Hongwanji-ha in altindischem Stil aber moderner Architektur wieder aufgebaut wurde (urspr\u00fcnglich 1617 erbaut). Hier werden zu bestimmten Zeiten sogar Andachten auf Englisch gehalten und der Tempel versteht sich als modernes Bindeglied zwischen traditionellem Shin-Buddhismus in Japan und den Shin-Buddhisten die global verstreut leben, insbesondere in den beiden Amerikas und auf Hawaii, aber nat\u00fcrlich auch andernorts in Asien, in Australien und Europa. In dem St\u00e4dtchen Chigasaki s\u00fcdlich des Fuji treffe ich mich im Zen-Tempel Hakuhoji mit Nishida Tokugen Roshi und seinem Nachfolger, dem aktuellen Abt Kuga Tetsuro-Sensei. Der Tempel der Soto Shu blickt immerhin auf eine Geschichte zur\u00fcck, die mit seiner Gr\u00fcndung 1544 begann. Hier wurde als junger Mann mein eigener Zen-Meister Bussan Shoshin Roshi vom damaligen Abt Enzui Chigen Daiosho ordiniert. Im Hakuhoji begann er quasi seine Laufbahn als Zen-M\u00f6nch. Der Friedhof des Tempels ist auch die Ruhest\u00e4tte von Enzui Chigen Daiosho. Im Hakuhoji wurde Shoshin Roshi vor ein paar Jahren von Tokugen Roshi der Dharma \u00fcbertragen, so dass auch unser Zen-Tempel Butsugenji die Linie von Enzui Chigen und Nishida Tokugen nunmehr auch in Westfalen fortsetzt. Ich tausche mich mit den beiden Zen-Priestern \u00fcber meine Reise, die Entwicklung hier und in unserem kleinen Tempel Butsugenji aus, wir essen gemeinsam zu Mittag und vollziehen abschlie\u00dfend gemeinsam eine kleine Andacht am Grab des Daiosho. Die beiden Priester w\u00fcnschen mir weiterhin alles Gute auf der Reise, wir werden nat\u00fcrlich in Kontakt bleiben. Ein paar Tage vor dem gebuchten Flug nach Fukuoka kommen die Kreditkarten im Hotel in Fujisawa an, die Reise kann nun normal weitergehen. Auf Kyushu besuche ich in Hakata den Mangyoji. Das ist der Shinshu-Tempel an dem Rev. Gojun Shichiri (*1835 bis +1900) gelebt und gelehrt hat. Einhundert seiner Dharma-Talks sind in dem Buch \u201eThus Taught Master Shichiri\u201c auf Englisch \u00fcbersetzt worden, jeden der ersten 100 Tage meiner Reise hatte ich einen davon gelesen. S\u00fcdlich von Hakata besuche ich auch den Zendoji, das ist das \u00f6rtliche Hauptkloster der Jodo Shu Chinzei-ha, welches von Shoko-bo Bencho Shonin (*1162 bis +1238), einem \u00e4lteren Dharma-Bruder von Shinran Shonin, gegr\u00fcndet worden ist. Im S\u00fcden der Insel war der Shin-Buddhismus lange Zeit verboten, weil die lokalen F\u00fcrsten Ikko-Ikki-Aufst\u00e4nde f\u00fcrchteten (von 1555 bis 1876). Die Anh\u00e4nger mussten zu anderen buddhistischen Schulen konvertieren. Viele \u00fcbten jedoch den Nenbutsu-Glauben in der Tradition von Shinran Shonin weiterhin im Geheimen aus. Wurden sie entdeckt, wurden sie verfolgt und bestraft. In der Stadt Kagoshima besuche ich den gleich nach Aufhebung des Verbots gegr\u00fcndeten Kagoshima Hongwanji und nehme dort&nbsp; an einer Amida-Sutra-Andacht teil. Auch den etwa zur selben Zeit gegr\u00fcndeten Koshoji Betsuin besuche ich. Dieser geh\u00f6rt einem anderen Zweig der Jodo Shinshu an, deren Haupttempel sich in Kyoto auf dem Nachbargrundst\u00fcck unseres Nishi Hongwanji befindet.&nbsp; Den Abschluss meiner Pilgerreise auf Kyushu bildet ein Besuch des Kirishima Jingu. Das ist ein Shinto-Schrein am Vulkan-Berg Kirishima, der einst das Zentrum des Kirishimako-Glaubens war. Diese Sekte entstand, als sich die \u00f6rtlichen Shin-Buddhisten samt ihrer Priesterschaft zu Beginn des hiesigen Jodo Shinshu-Verbots zur Tarnung dem Schrein anschlossen. Sie praktizierten im Gebiet rund um den Schrein im Verborgenen weiter, aber \u00fcber die Jahrzehnte und Jahrhunderte sickerten \u00f6rtliche Legenden und shintoistische Vorstellungen in den Nenbutsu-Glauben und es entstand eine v\u00f6llig neue Religion, mit teilweise mir befremdlichen Auspr\u00e4gungen wie Speisevorschriften (Verbot von H\u00fchnerfleisch) und einem eigenen Sch\u00f6pfungsmythos rund um Amida Buddha. An dem Schrein bekommt man von dieser Historie heute allerdings nichts mit. Einmal kann ich die japanischen Schilder und Info-Tafeln nicht lesen, und dann ist mir unbekannt, ob der Kirishimako-Glaube \u00fcberhaupt noch existiert. Nachdem die Existenz der bis in die 1950er Jahre geheimgehalten Sekte eher zuf\u00e4llig entdeckt wurde, sanken die Mitgliederzahlen bis in die 1990er rapide. Rund um den Kirishima sind seit der Aufhebung des Verbots nat\u00fcrlich auch lokale Shinshu-Zweigtempel entstanden, denen sich die Bev\u00f6lkerung nun wieder zuwendet. In einem Interview mit einem der wenigen Kirishimako-Priester gegen Ende des letzten Jahrhunderts gab dieser an, dass die Zukunft seiner Gemeinschaft ungewiss sei. Aus meiner Sicht ist der Kirishima Jingu heute ein normaler Shinto-Schrein, aber eben einer mit einer seltsamen Geschichte, die er mit der Jodo Shinshu teilt!<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1361","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"gb","enabled_languages":["de","gb"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"gb":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1361","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1361"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1361\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1370,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1361\/revisions\/1370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1361"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1361"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}