{"id":1448,"date":"2025-03-13T17:21:02","date_gmt":"2025-03-13T16:21:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgjd.de\/?p=1448"},"modified":"2025-03-13T17:21:02","modified_gmt":"2025-03-13T16:21:02","slug":"als-unsui-und-shin-buddhist-einmal-um-die-welt-fazit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/2025\/03\/13\/als-unsui-und-shin-buddhist-einmal-um-die-welt-fazit\/","title":{"rendered":"Als Unsui und Shin-Buddhist einmal um die Welt: Fazit"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kurz-Interview<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Meik, als deutscher Zen-Buddhist, der auch den Nenbutsu-Weg geht, warst du ein Jahr lang auf Weltreise. Was hat sich \u2013 kontrastiert durch die Eindr\u00fccke \u2013 bei deinem pers\u00f6nlichen Weg verst\u00e4rkt? Was hat sich ver\u00e4ndert wie du dich als \u201edeutscher Buddhist\u201c verstehst?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als \u201edeutscher Buddhist\u201c habe ich mich eigentlich nie verstanden, eher als \u201ebuddhistischer Konvertit aus dem Westen\u201c. Ich denke dieser Aspekt ist ziemlich \u00e4hnlich, egal ob man aus Deutschland oder Europa, aus den Amerikas, Australien oder auch Afrika kommt. Wir alle stammen aus Kulturen, in welchen der Buddhismus noch gar nicht richtig Wurzeln schlagen konnte. Unsere Eltern und Verwandte sind selbst zumeist keine Buddhisten und auch der Freundes- und Bekanntenkreis gr\u00f6\u00dftenteils nicht. Das Buddhist-Sein ist eine pers\u00f6nliche Entscheidung und verlangt sogar insoweit Eigeninitiative \u2013 das ist wohl der Unterschied zu Buddhisten, welche in Kulturen und Familien hineingeboren werden, in denen der Buddhismus verwurzelt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei vielen meiner Begegnungen habe ich gemerkt, dass man als westlicher Konvertit nicht unbedingt sogleich als \u201eGlaubensbruder\u201c angesehen und akzeptiert wird. Es scheint viele westliche Traveller zu geben, die sich in Gespr\u00e4chen selbst als \u201eBuddhisten\u201c bezeichnen, die von den einheimischen Buddhisten aber nicht als solche angesehen werden. Erst wenn man klarstellt, dass man einen Lehrer hat, mit einem Tempel verbunden ist, \u00f6ffentlich Zuflucht genommen hat und gegebenefalls auch Verpflichtungen eingegangen ist, bricht quasi das Eis und man wird auch in Punkto Buddhismus ernst genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor ich 2010 in unserem Zen-Tempel ordiniert wurde, empfand ich mich selbst auch schon als Buddhist. Aber es sind eben doch die offiziellen Zeremonien, die Anl\u00e4sse und die Verpflichtungen, die man eingeht, die einen auch f\u00fcr andere zum Buddhisten machen. Ein eigenpers\u00f6nliches \u201einneres\u201c Bekenntnis bleiben \u00f6ffentlich eben genau das \u2013 etwas Unbestimmtes, Unverbindliches. Ich denke es kommt schon sehr auf dieses auch nach au\u00dfen wirkende offizielle Bekenntnis an!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie hat sich dein Blick auf den globalen Buddhismus ver\u00e4ndert durch die vielen Begegnungen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube \u201eden globalen Buddhismus\u201c gibt es gar nicht. Es gibt quasi eher \u201edie Welt der vielen Buddhismen\u201c. In einigen L\u00e4ndern wie etwa Thailand, Taiwan oder Ladakh im Himalaya, gibt es jeweils eine vorherrschende Tradition, welche als landestypischer Mainstream angesehen werden kann. In Thailand ist das nat\u00fcrlich der Theravada, auf Taiwan der han-chinesische Mahayana-Buddhismus und in Ladakh der tibetische Buddhismus mit Drukpa Kagy\u00fc- und Gelug-Schule. In anderen L\u00e4ndern \u2013 insbesondere in Japan aber auch in Indien, Nepal, Malaysia und Indonesien \u2013 gibt es viele verschiedene Traditionen, keine vorherrschende, so dass man dort kaum von Einheitlichkeit sprechen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns alle eint das Vertrauen in den Buddha und seine Lehre, und irgendwie verstehen sich viele Buddhisten auch als Teil der weltweiten buddhistischen Sangha. Aber schon bezogen auf die Authentizit\u00e4t von Buddhas Lehre und auch auf die Definition des Begriffs \u201eSangha\u201c gibt es sehr unterschiedliche Sichtweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei meinen Begegnungen habe ich zuallererst feststellen m\u00fcssen, dass \u201eBegegnungen\u201c mit Sprachkenntnissen stehen und fallen. Da ich nur flie\u00dfend Englisch und Deutsch spreche, endete die Begegnung h\u00e4ufig ziemlich schnell, wenn das Gegen\u00fcber kein Englisch sprach oder \u2013 aus Scham Fehler zu machen \u2013 nicht sprechen wollte. So waren dann die wirklich \u201eechten\u201c Begegnungen w\u00e4hrend meines Pilgerjahres gar nicht so zahlreich, wie ich es mir gew\u00fcnscht oder erhofft h\u00e4tte. Aber ich kann sagen, dass dabei jeder meiner Gespr\u00e4chspartner immer eine sehr individuelle Geschichte zu erz\u00e4hlen hatte. Und viele von denen waren dann auch \u2013 obwohl sie selbst aus buddhistischen L\u00e4ndern stammten, in irgendeiner Form selbst Konvertiten, also echte \u201e\u00dcberzeugungst\u00e4ter\u201c. Vielleicht macht das den Unterschied? Es ist dieses bewusste Entscheiden, was den \u00fcberzeugten Weg\u00fcbenden von den, ich nenne sie mal \u201eeingeborene Volks- und Feiertagsbuddhisten\u201c, unterscheidet und interessant macht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was f\u00fcr Chancen siehst du f\u00fcr den buddhistischen Weg in seinen verschiedenen Auspr\u00e4gungen in Deutschland?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke im Westen steht und f\u00e4llt es zun\u00e4chst jeweils mit dem pers\u00f6nlichen Engagement des Einzelnen, oft \u00fcber die Jahrzehnte hinweg. Dann ist die Frage, inwiefern wir es fertigbringen, den Dharma im Westen Wurzeln schlagen zu lassen: Werden wir weiterhin ein Flickenteppich der verschiedenen Traditionen aus verschiedenen asiatischen Gegenden und Kulturen sein und versuchen, hierzulande in Abh\u00e4ngigkeit vom Ursprungsland \u201ejapanischen Buddhismus\u201c, \u201etibetischen Buddhismus\u201c oder \u201ethail\u00e4ndischen Buddhismus\u201c zu praktizieren? Oder werden wir die verschiedenen Einfl\u00fcsse, \u00dcberlieferungen, \u00dcbertragungen und Quellen zu etwas eigenem, einer eigenen unabh\u00e4ngigen Tradition fortf\u00fchren? Ich denke diese Fragen kann man nicht leichthin beantworten, oder die Entwicklungen gar forcieren. Das wird sich \u00fcber Jahrzehnte fortentwickeln (oder auch nicht).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was war ein besonderes Highlight f\u00fcr dich auf der Reise?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas\u201c besondere Highlight kann ich gar nicht festlegen. Die Pilgerreise auf den Spuren Buddhas und der Dharma-Vorfahren war f\u00fcr mich quasi ein Gesamt-Highlight! Ob das nun die Reise auf Buddha Shakyamuni\u2019s Spuren durch Bihar und Uttar Pradesh war, auf D\u014dgen\u2019s und Dengy\u014d\u2019s Spuren im Osten Chinas, zu den Wirkungsst\u00e4tten meiner Zen-Ahnen in Japan oder zu den mit H\u014dnen, Shinran und Ippen in Verbindung stehenden Pilgerst\u00e4tten \u2013 all das geh\u00f6rte f\u00fcr mich irgendwie zusammen und f\u00fcgte sich auch r\u00fcckblickend in die Gesamt-Pilgerreise ein. Sch\u00f6ne Erfahrungen waren nat\u00fcrlich auch die Klosteraufenthalte in Malaysia, Indien und Japan, und auch die Begegnungen, die damit verbunden waren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn ich auf das vergangene Jahr 2024, mein zweites Sabbatjahr und mein erstes Jahr als Zen-Shukke, zur\u00fcckblicke, so tue ich dies voller Dankbarkeit und mit ein bisschen Wehmut. Vieles, was ich mir 2024 anschauen und was ich erleben wollte, habe ich mir anschauen k\u00f6nnen und auch erlebt. Nicht alles, was auf meinen To-Do- und To-Visit-Listen stand, konnte ich \u201eabarbeiten\u201c, aber das Allermeiste schon.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Highlights 2024 waren nat\u00fcrlich insbesondere die Besuche von diversen buddhistischen Pilgerzielen, haupts\u00e4chlich in Indien, China und Japan. Auch die Kloster-Aufenthalte waren Erfahrungen, die ich keinesfalls missen m\u00f6chte. Und selbst an so \u00e4tzenden Erlebnissen wie den Hotel- und Taxi-Abzocken in Delhi, den gesperrten Kreditkarten und den miesen Inlandsfl\u00fcgen in Kanada w\u00e4chst man wohl. Nicht alles verl\u00e4uft immer nach Plan und manchmal ist man auch nicht so willkommen, wie man es sich eigentlich ausmalt (zum Beispiel im Kloster Fo Guang Shan auf Taiwan). Da wird man dann ent-t\u00e4uscht. Das ist aber auch nicht verkehrt! Man sollte allem und jedem dankbar sein, wenn es einem einen Teil seiner Illusionen abnimmt! Denn nur so kann man offenen Herzens und unter Beibehaltung seines Anf\u00e4nger-Geistes durchs Leben ziehen und sich weiterhin ein Staunen angesichts der menschlichen Vielfalt und der Wunder der Welt bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein drittes Sabbatjahr wird es wohl nicht geben, schon gar nicht als weitere vollst\u00e4ndige Jahres-Auszeit w\u00e4hrend des aktiven Dienstes. Eine solche Auszeit f\u00fcr ein paar wenige Monate, um nochmal ein bisschen l\u00e4nger \u201eon the Road again\u201c zu sein \u2013 das will ich ebenso wenig ausschlie\u00dfen wie ein Sabbatjahr zum Abschluss des Berufslebens, um ein Jahr vorher in Pension gehen zu k\u00f6nnen. Aber angedacht ist da aktuell nichts. Jetzt hei\u00dft es erstmal wieder sich so richtig im Amt und auch ansonsten daheim einzurichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch das Zen Shukke-Sein, w\u00e4hrend man \u00fcber 41 Stunden in der Woche, von Montag bis Freitag, einer ganz normalen beruflichen T\u00e4tigkeit nachzugehen hat, ist ja auch irgendwie ein Drahtseilakt, es passt eigentlich nicht zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Konnte ich mich letztes Jahr noch als Unsui bezeichnen (\u201eWolken und Wasser\u201c, \u201eZiehende Regenwolke\u201c, \u201eShukke auf Wanderschaft\u201c), so w\u00e4re es jetzt wohl eher Ny\u016bd\u014d bzw. Ny\u016bd\u014d-Shukke. Ein Ny\u016bd\u014d, w\u00f6rtlich: \u201eJemand, der den (Buddha-)Weg betreten hat\u201c, war im alten Japan eine Person, die zwar die buddhistischen Gel\u00fcbde als Geistlicher abgelegt hatte, also kein Laie mehr war, die aber weder Priester noch M\u00f6nch oder Novize war und auch nicht unbedingt im Kloster lebte. Viele japanische Kaiser widmeten nach ihrer Abdankung einen ihrer Pal\u00e4ste oder eine ihrer Villen in einen Tempel oder eine Klause um und zogen sich dann als Ny\u016bd\u014d dorthin zur\u00fcck, wobei sie auch als solche oft noch Einfluss auf die Politik nahmen. Bekannte Beispiele sind hier der Daigo-Tenn\u014d (884-930), der als Ny\u016bd\u014d eine Klause bezog, die dem Shingon Sh\u016b Kloster Daig\u014dji angegliedert wurde, oder auch Hanazono-Tenn\u014d (1297-1348) der sich als Ny\u016bd\u014d-Shukke in seinen Zweit-Palast im Norden von Kyoto zur\u00fcckzog und diesen dann zusammen mit seinem Zen-Lehrer Kanzan Egen Zenji ins Kloster My\u014dshinji umwandelte. Auch die Haiku-Dichter Matsuo Bash\u014d oder Kobayashi Issa k\u00f6nnte man hier aufz\u00e4hlen. Ebenso vielleicht auch Shinran Shonin, der nach seinem Austritt aus dem Tendai Sh\u016b-Hauptkloster Enryakuji von sich sagte, er sei \u201eweder M\u00f6nch noch Laie\u201c. Der Ausspruch passt auch ganz gut zu mir, wie ich finde. Ich bin jetzt (vorerst) kein Unsui mehr (mangels aktueller Wander- bzw. Pilgerschaft), aber durch meine Ordination zum Shukke bin ich auch kein Laie mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich sind solche Bezeichnungen aber auch nur Schubladen, in denen man sich einzuordnen versucht. Man schaut, ob man ein historisches Beispiel oder eine Entsprechung findet, f\u00fcr die eigene Situation, aber tats\u00e4chlich ist das Leben immer individuell und es gibt nie etwas g\u00e4nzlich Vergleichbares. C\u2019est la vie! &#8211; und das ist schon okay!<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht jedenfalls weiter. Im Alltag. So wie es auch J\u014dsh\u016b und Rinzai stets sagten: \u201eDas allt\u00e4gliche Leben selbst ist der Weg!\u201c. Also mal schauen, wie er sich vor einem ausbreitet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_1-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1451\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_1-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_1-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_1-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_1-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_1-1140x855.jpeg 1140w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_1.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Friedenspagode der Nipponzan Myohoji-ha in Leh (Ladakh\/Indien)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_2-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1452\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_2-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_2-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_2-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_2-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_2-1140x855.jpeg 1140w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_2.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sanctuary of Truth (Pattaya, Thailand)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_3-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1453\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_3-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_3-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_3-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_3-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_3-1140x855.jpeg 1140w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_3.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Horyuji bei Nara (Honshu\/Japan)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_4-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1454\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_4-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_4-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_4-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_4-1536x1153.jpeg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_4-1140x856.jpeg 1140w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Fazit_4.jpeg 1599w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auf dem Caminho Portugues de la Costa.<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz-Interview Meik, als deutscher Zen-Buddhist, der auch den Nenbutsu-Weg geht, warst du ein Jahr lang auf Weltreise. Was hat sich \u2013 kontrastiert durch die Eindr\u00fccke \u2013 bei deinem pers\u00f6nlichen Weg verst\u00e4rkt? Was hat sich ver\u00e4ndert wie du dich als \u201edeutscher Buddhist\u201c verstehst? Als \u201edeutscher Buddhist\u201c habe ich mich eigentlich nie verstanden, eher als \u201ebuddhistischer Konvertit aus dem Westen\u201c. Ich denke dieser Aspekt ist ziemlich \u00e4hnlich, egal ob man aus Deutschland oder Europa, aus den Amerikas, Australien oder auch Afrika kommt. Wir alle stammen aus Kulturen, in welchen der Buddhismus noch gar nicht richtig Wurzeln schlagen konnte. Unsere Eltern und Verwandte sind selbst zumeist keine Buddhisten und auch der Freundes- und Bekanntenkreis gr\u00f6\u00dftenteils nicht. Das Buddhist-Sein ist eine pers\u00f6nliche Entscheidung und verlangt sogar insoweit Eigeninitiative \u2013 das ist wohl der Unterschied zu Buddhisten, welche in Kulturen und Familien hineingeboren werden, in denen der Buddhismus verwurzelt ist. Bei vielen meiner Begegnungen habe ich gemerkt, dass man als westlicher Konvertit nicht unbedingt sogleich als \u201eGlaubensbruder\u201c angesehen und akzeptiert wird. Es scheint viele westliche Traveller zu geben, die sich in Gespr\u00e4chen selbst als \u201eBuddhisten\u201c bezeichnen, die von den einheimischen Buddhisten aber nicht als solche angesehen werden. Erst wenn man klarstellt, dass man einen Lehrer hat, mit einem Tempel verbunden ist, \u00f6ffentlich Zuflucht genommen hat und gegebenefalls auch Verpflichtungen eingegangen ist, bricht quasi das Eis und man wird auch in Punkto Buddhismus ernst genommen. Bevor ich 2010 in unserem Zen-Tempel ordiniert wurde, empfand ich mich selbst auch schon als Buddhist. Aber es sind eben doch die offiziellen Zeremonien, die Anl\u00e4sse und die Verpflichtungen, die man eingeht, die einen auch f\u00fcr andere zum Buddhisten machen. Ein eigenpers\u00f6nliches \u201einneres\u201c Bekenntnis bleiben \u00f6ffentlich eben genau das \u2013 etwas Unbestimmtes, Unverbindliches. Ich denke es kommt schon sehr auf dieses auch nach au\u00dfen wirkende offizielle Bekenntnis an! Wie hat sich dein Blick auf den globalen Buddhismus ver\u00e4ndert durch die vielen Begegnungen? Ich glaube \u201eden globalen Buddhismus\u201c gibt es gar nicht. Es gibt quasi eher \u201edie Welt der vielen Buddhismen\u201c. In einigen L\u00e4ndern wie etwa Thailand, Taiwan oder Ladakh im Himalaya, gibt es jeweils eine vorherrschende Tradition, welche als landestypischer Mainstream angesehen werden kann. In Thailand ist das nat\u00fcrlich der Theravada, auf Taiwan der han-chinesische Mahayana-Buddhismus und in Ladakh der tibetische Buddhismus mit Drukpa Kagy\u00fc- und Gelug-Schule. In anderen L\u00e4ndern \u2013 insbesondere in Japan aber auch in Indien, Nepal, Malaysia und Indonesien \u2013 gibt es viele verschiedene Traditionen, keine vorherrschende, so dass man dort kaum von Einheitlichkeit sprechen k\u00f6nnte. Uns alle eint das Vertrauen in den Buddha und seine Lehre, und irgendwie verstehen sich viele Buddhisten auch als Teil der weltweiten buddhistischen Sangha. Aber schon bezogen auf die Authentizit\u00e4t von Buddhas Lehre und auch auf die Definition des Begriffs \u201eSangha\u201c gibt es sehr unterschiedliche Sichtweisen. Bei meinen Begegnungen habe ich zuallererst feststellen m\u00fcssen, dass \u201eBegegnungen\u201c mit Sprachkenntnissen stehen und fallen. Da ich nur flie\u00dfend Englisch und Deutsch spreche, endete die Begegnung h\u00e4ufig ziemlich schnell, wenn das Gegen\u00fcber kein Englisch sprach oder \u2013 aus Scham Fehler zu machen \u2013 nicht sprechen wollte. So waren dann die wirklich \u201eechten\u201c Begegnungen w\u00e4hrend meines Pilgerjahres gar nicht so zahlreich, wie ich es mir gew\u00fcnscht oder erhofft h\u00e4tte. Aber ich kann sagen, dass dabei jeder meiner Gespr\u00e4chspartner immer eine sehr individuelle Geschichte zu erz\u00e4hlen hatte. Und viele von denen waren dann auch \u2013 obwohl sie selbst aus buddhistischen L\u00e4ndern stammten, in irgendeiner Form selbst Konvertiten, also echte \u201e\u00dcberzeugungst\u00e4ter\u201c. Vielleicht macht das den Unterschied? Es ist dieses bewusste Entscheiden, was den \u00fcberzeugten Weg\u00fcbenden von den, ich nenne sie mal \u201eeingeborene Volks- und Feiertagsbuddhisten\u201c, unterscheidet und interessant macht. Was f\u00fcr Chancen siehst du f\u00fcr den buddhistischen Weg in seinen verschiedenen Auspr\u00e4gungen in Deutschland? Ich denke im Westen steht und f\u00e4llt es zun\u00e4chst jeweils mit dem pers\u00f6nlichen Engagement des Einzelnen, oft \u00fcber die Jahrzehnte hinweg. Dann ist die Frage, inwiefern wir es fertigbringen, den Dharma im Westen Wurzeln schlagen zu lassen: Werden wir weiterhin ein Flickenteppich der verschiedenen Traditionen aus verschiedenen asiatischen Gegenden und Kulturen sein und versuchen, hierzulande in Abh\u00e4ngigkeit vom Ursprungsland \u201ejapanischen Buddhismus\u201c, \u201etibetischen Buddhismus\u201c oder \u201ethail\u00e4ndischen Buddhismus\u201c zu praktizieren? Oder werden wir die verschiedenen Einfl\u00fcsse, \u00dcberlieferungen, \u00dcbertragungen und Quellen zu etwas eigenem, einer eigenen unabh\u00e4ngigen Tradition fortf\u00fchren? Ich denke diese Fragen kann man nicht leichthin beantworten, oder die Entwicklungen gar forcieren. Das wird sich \u00fcber Jahrzehnte fortentwickeln (oder auch nicht). Was war ein besonderes Highlight f\u00fcr dich auf der Reise? \u201eDas\u201c besondere Highlight kann ich gar nicht festlegen. Die Pilgerreise auf den Spuren Buddhas und der Dharma-Vorfahren war f\u00fcr mich quasi ein Gesamt-Highlight! Ob das nun die Reise auf Buddha Shakyamuni\u2019s Spuren durch Bihar und Uttar Pradesh war, auf D\u014dgen\u2019s und Dengy\u014d\u2019s Spuren im Osten Chinas, zu den Wirkungsst\u00e4tten meiner Zen-Ahnen in Japan oder zu den mit H\u014dnen, Shinran und Ippen in Verbindung stehenden Pilgerst\u00e4tten \u2013 all das geh\u00f6rte f\u00fcr mich irgendwie zusammen und f\u00fcgte sich auch r\u00fcckblickend in die Gesamt-Pilgerreise ein. Sch\u00f6ne Erfahrungen waren nat\u00fcrlich auch die Klosteraufenthalte in Malaysia, Indien und Japan, und auch die Begegnungen, die damit verbunden waren. Fazit Wenn ich auf das vergangene Jahr 2024, mein zweites Sabbatjahr und mein erstes Jahr als Zen-Shukke, zur\u00fcckblicke, so tue ich dies voller Dankbarkeit und mit ein bisschen Wehmut. Vieles, was ich mir 2024 anschauen und was ich erleben wollte, habe ich mir anschauen k\u00f6nnen und auch erlebt. Nicht alles, was auf meinen To-Do- und To-Visit-Listen stand, konnte ich \u201eabarbeiten\u201c, aber das Allermeiste schon. Die Highlights 2024 waren nat\u00fcrlich insbesondere die Besuche von diversen buddhistischen Pilgerzielen, haupts\u00e4chlich in Indien, China und Japan. Auch die Kloster-Aufenthalte waren Erfahrungen, die ich keinesfalls missen m\u00f6chte. Und selbst an so \u00e4tzenden Erlebnissen wie den Hotel- und Taxi-Abzocken in Delhi, den gesperrten Kreditkarten und den miesen Inlandsfl\u00fcgen in Kanada w\u00e4chst man wohl. Nicht alles verl\u00e4uft immer nach Plan und manchmal ist man auch nicht so willkommen, wie man es sich eigentlich ausmalt (zum Beispiel im Kloster Fo Guang Shan auf Taiwan). Da wird man dann ent-t\u00e4uscht. Das ist aber auch nicht verkehrt! Man sollte allem und jedem dankbar sein, wenn es einem einen Teil seiner Illusionen abnimmt! Denn nur so kann man offenen Herzens und unter Beibehaltung seines Anf\u00e4nger-Geistes durchs Leben ziehen und sich weiterhin ein Staunen angesichts der menschlichen Vielfalt und der Wunder der Welt bewahren. Ein drittes Sabbatjahr wird es wohl nicht geben, schon gar nicht als weitere vollst\u00e4ndige Jahres-Auszeit w\u00e4hrend des aktiven Dienstes. Eine solche Auszeit f\u00fcr ein paar wenige Monate, um nochmal ein bisschen l\u00e4nger \u201eon the Road again\u201c zu sein \u2013 das will ich ebenso wenig ausschlie\u00dfen wie ein Sabbatjahr zum Abschluss des Berufslebens, um ein Jahr vorher in Pension gehen zu k\u00f6nnen. Aber angedacht ist da aktuell nichts. Jetzt hei\u00dft es erstmal wieder sich so richtig im Amt und auch ansonsten daheim einzurichten. Und auch das Zen Shukke-Sein, w\u00e4hrend man \u00fcber 41 Stunden in der Woche, von Montag bis Freitag, einer ganz normalen beruflichen T\u00e4tigkeit nachzugehen hat, ist ja auch irgendwie ein Drahtseilakt, es passt eigentlich nicht zusammen. Konnte ich mich letztes Jahr noch als Unsui bezeichnen (\u201eWolken und Wasser\u201c, \u201eZiehende Regenwolke\u201c, \u201eShukke auf Wanderschaft\u201c), so w\u00e4re es jetzt wohl eher Ny\u016bd\u014d bzw. Ny\u016bd\u014d-Shukke. Ein Ny\u016bd\u014d, w\u00f6rtlich: \u201eJemand, der den (Buddha-)Weg betreten hat\u201c, war im alten Japan eine Person, die zwar die buddhistischen Gel\u00fcbde als Geistlicher abgelegt hatte, also kein Laie mehr war, die aber weder Priester noch M\u00f6nch oder Novize war und auch nicht unbedingt im Kloster lebte. Viele japanische Kaiser widmeten nach ihrer Abdankung einen ihrer Pal\u00e4ste oder eine ihrer Villen in einen Tempel oder eine Klause um und zogen sich dann als Ny\u016bd\u014d dorthin zur\u00fcck, wobei sie auch als solche oft noch Einfluss auf die Politik nahmen. Bekannte Beispiele sind hier der Daigo-Tenn\u014d (884-930), der als Ny\u016bd\u014d eine Klause bezog, die dem Shingon Sh\u016b Kloster Daig\u014dji angegliedert wurde, oder auch Hanazono-Tenn\u014d (1297-1348) der sich als Ny\u016bd\u014d-Shukke in seinen Zweit-Palast im Norden von Kyoto zur\u00fcckzog und diesen dann zusammen mit seinem Zen-Lehrer Kanzan Egen Zenji ins Kloster My\u014dshinji umwandelte. Auch die Haiku-Dichter Matsuo Bash\u014d oder Kobayashi Issa k\u00f6nnte man hier aufz\u00e4hlen. Ebenso vielleicht auch Shinran Shonin, der nach seinem Austritt aus dem Tendai Sh\u016b-Hauptkloster Enryakuji von sich sagte, er sei \u201eweder M\u00f6nch noch Laie\u201c. Der Ausspruch passt auch ganz gut zu mir, wie ich finde. Ich bin jetzt (vorerst) kein Unsui mehr (mangels aktueller Wander- bzw. Pilgerschaft), aber durch meine Ordination zum Shukke bin ich auch kein Laie mehr. Letztlich sind solche Bezeichnungen aber auch nur Schubladen, in denen man sich einzuordnen versucht. Man schaut, ob man ein historisches Beispiel oder eine Entsprechung findet, f\u00fcr die eigene Situation, aber tats\u00e4chlich ist das Leben immer individuell und es gibt nie etwas g\u00e4nzlich Vergleichbares. C\u2019est la vie! &#8211; und das ist schon okay! Es geht jedenfalls weiter. Im Alltag. So wie es auch J\u014dsh\u016b und Rinzai stets sagten: \u201eDas allt\u00e4gliche Leben selbst ist der Weg!\u201c. 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