{"id":1483,"date":"2025-06-11T10:55:21","date_gmt":"2025-06-11T08:55:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgjd.de\/?p=1483"},"modified":"2025-06-11T10:55:21","modified_gmt":"2025-06-11T08:55:21","slug":"gedanken-zum-nenbutsu-und-rev-manshi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/2025\/06\/11\/gedanken-zum-nenbutsu-und-rev-manshi\/","title":{"rendered":"Gedanken zum Nenbutsu und Rev. Manshi"},"content":{"rendered":"\n<p><em>von Meik N\u00f6rling<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor etwa einem Monat hatte ich <a href=\"https:\/\/www.bgjd.de\/2025\/05\/01\/gedanken-zum-nenbutsu-aus-der-zen-peitsche\/\">hier<\/a> einige Gedanken zum Nenbutsu und zu Yunqi\u2019s \u201eZen-Peitsche\u201c dargelegt, die mir bei Zen-Sesshin gekommen waren. Zu diesen Sesshin, in unserem Tempel Butsugenji in Lippstadt, begleitet mich aktuell aber nicht nur die \u201eZen-Peitsche\u201c, sondern auch Manshi Kiyozawa\u2019s \u201eSkelett einer Religionsphilosophie\u201c. Ich muss allerdings zugeben, dass mich eher die anderen Texte in dem kleinen Sammelband von und \u00fcber Rev. Manshi inspirieren, nicht so sehr sein enthaltenes, namensgebendes Haupt-Essay.<\/p>\n\n\n\n<p>Manshi Kiyozawa (1863-1903) hatte nicht beim Studium von Buddha\u2019s Lehren und Shinran Shonin\u2019s Texten und beim Sprechen des <em>Nenbutsu<\/em> (\u201eNamo-Amida-Butsu\u201c) haltgemacht, sondern machte sich auf, selbst zu erfahren, was Shinran erfahren hatte. So \u00fcbte er zeitlebens auch immer wieder Kritik am damaligen buddhistischen Mainstream Japans, f\u00fchrte ein asketisches Leben und versuchte Shinran\u2019s Einsichten und Erfahrungen nachzuvollziehen. Dieses <em>Erfahren<\/em> nannte er \u201eReligi\u00f6se Gewissheit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich Yunqi\u2019s Empfehlung, fortw\u00e4hrend das Nenbutsu im Geiste zu behalten, mit Manshi\u2019s Ansatz zu seiner <em>Religi\u00f6sen Gewissheit<\/em> vergleiche, dann ist da oberfl\u00e4chlich betrachtet ein gro\u00dfer Unterschied. W\u00e4hrend Yunqi darauf abzielt, den Geist \u201eleer\u201c zu machen und einzig mit \u201eNamo-Amida-Butsu!\u201c zu f\u00fcllen, scheint es bei Manshi auf den ersten Blick eher um eine Art Gr\u00fcbelei zu gehen. Das trifft tats\u00e4chlich aber nicht zu. Letztlich geht es beiden Meistern ums Loslassen, ums Sich-\u00fcberlassen und ums Nenbutsu. So schreibt Manshi: \u201e<em>Was ist also die wichtigste Grundlage unseres Lebens? Es ist unser Vertrauen in die Kraft-jenseits-des-Selbst.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso wie Shinran kam auch Rev. Manshi nach Jahren der pers\u00f6nlichen Suche zu der Erfahrung, dass es auf das Vertrauen in den Buddha ankommt, und so ist seine <em>Religi\u00f6se Gewissheit<\/em> wohl nichts anderes als <em>Shinjin<\/em>. Er dr\u00fcckt das wie folgt aus: \u201e<em>Die Kraft des Tathagata ist grenzenlos. Die Kraft des Tathagata ist unvergleichlich. Die Kraft des Tathagata ist allgegenw\u00e4rtig. Sie erf\u00fcllt alles und wirkt frei und ungehindert. Wenn ich mich der wunderbaren Kraft des Tathagata \u00fcberlasse, habe ich gro\u00dfen Frieden und bin getr\u00f6stet. Ich vertraue die gro\u00dfe Frage von Leben und Tod dem Tathagata an und kenne keine Angst und keine Unzufriedenheit mehr.<\/em>\u201c Was sind diese Erkenntnisse anderes als Ausdruck des Nenbutsu, das ja w\u00f6rtlich auch \u201e<em>Sich die Gegenwart des Buddha ins Bewusstsein zu rufen<\/em>\u201c hei\u00dfen kann?<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl es bei unseren Sesshin \u2013 der Zen-Tradition Harada Daiun Sogaku\u2018s und Harada Daisetsu Tangen\u2018s folgend \u2013 durchaus darum geht, eine pers\u00f6nliche Erfahrung des <em>Erwachens<\/em> zu realisieren, also nicht nur ums blo\u00dfe Sitzen, unterstreichen Ausspr\u00fcche wie \u201e<em>Wirf dich hinein in das Haus des Buddha, und alles wird getan von Buddha<\/em>\u201c (Harada Daisetsu Tangen), dann doch, dass es letztlich ums Loslassen und ums Vertrauen geht. Und da ist Rev. Manshi sicherlich ein gro\u00dfes Beispiel, ein gro\u00dfer Quell der Inspiration!<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso war Manshi Kiyozawa auch Lehrer und Wegbereiter vieler auf ihn folgender Shinshu-Lehrer, besonders jener der Jodo Shinshu Higashi-ha, etwa Rev. Akegarasu Haya (1877-1954).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch sonst hatte Manshi den Buddhisten seiner Zeit viel zu sagen \u2013 nicht nur den Shin-Buddhisten: \u201e<em>Wiewohl der Buddhist im Einssein lebt, h\u00e4ngt er nicht daran. Er lebt in der Vielheit, doch auch an ihr h\u00e4ngt er nicht. Im \u00dcberweltlichen [seiend], vergisst er das Weltliche nicht; im Weltlichen [seiend], geht er nicht auf in der Jagd nach Ruhm und Reichtum. Mitgef\u00fchl und Weisheit wirken in ihm harmonisch zusammen und stellen keinen Widerspruch dar. Dies sind die wahren Eigenschaften eines Buddhisten.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich meine, es ist zu sehr vereinfacht, wenn man Zen und andere japanische Richtungen in die Jiriki-Schublade (\u201eEigenkraft\u201c) und Jodo Shinshu in die Tariki-Schublade (\u201eAndere Kraft\u201c) hinein schiebt \u2013 so einfach und polarisierend funktioniert das aus meiner Sicht nicht! Letztlich geht es darum, den Mittelweg zu finden, vielleicht sogar den eigenen, ganz pers\u00f6nlichen Mittelweg. Und wenn man bereits das <em>Nenbutsu<\/em> gesprochen bzw. ge\u00fcbt und Vertrauen in den Buddha gefasst hat, warum sollte der Tathagata einen dann nicht erretten? Sollte der <em>Unbegrenzte Buddha<\/em> da etwa kleinlich sein und Schubladend\u00fcnkel an den Tag legen? \u2013 Ich denke nicht! Schon Honen Shonin diktierte in seinem \u201eIchimai Kishomon\u201c: \u201e<em>Sprich einfach \u201aNamo-Amida-Butsu<\/em>\u2018<em> und glaube ohne Zweifel an deine Hingeburt. Weiter ist nichts erforderlich<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Myogo_Duesseldorf-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1485\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Myogo_Duesseldorf-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Myogo_Duesseldorf-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Myogo_Duesseldorf-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Myogo_Duesseldorf-1140x1520.jpg 1140w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Myogo_Duesseldorf.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Myogo-Kalligraphie (&#8220;Namo-Amida-Butsu&#8221;) im Besitz des Eko-Haus.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Meik N\u00f6rling Vor etwa einem Monat hatte ich hier einige Gedanken zum Nenbutsu und zu Yunqi\u2019s \u201eZen-Peitsche\u201c dargelegt, die mir bei Zen-Sesshin gekommen waren. Zu diesen Sesshin, in unserem Tempel Butsugenji in Lippstadt, begleitet mich aktuell aber nicht nur die \u201eZen-Peitsche\u201c, sondern auch Manshi Kiyozawa\u2019s \u201eSkelett einer Religionsphilosophie\u201c. Ich muss allerdings zugeben, dass mich eher die anderen Texte in dem kleinen Sammelband von und \u00fcber Rev. Manshi inspirieren, nicht so sehr sein enthaltenes, namensgebendes Haupt-Essay. Manshi Kiyozawa (1863-1903) hatte nicht beim Studium von Buddha\u2019s Lehren und Shinran Shonin\u2019s Texten und beim Sprechen des Nenbutsu (\u201eNamo-Amida-Butsu\u201c) haltgemacht, sondern machte sich auf, selbst zu erfahren, was Shinran erfahren hatte. So \u00fcbte er zeitlebens auch immer wieder Kritik am damaligen buddhistischen Mainstream Japans, f\u00fchrte ein asketisches Leben und versuchte Shinran\u2019s Einsichten und Erfahrungen nachzuvollziehen. Dieses Erfahren nannte er \u201eReligi\u00f6se Gewissheit\u201c. Wenn ich Yunqi\u2019s Empfehlung, fortw\u00e4hrend das Nenbutsu im Geiste zu behalten, mit Manshi\u2019s Ansatz zu seiner Religi\u00f6sen Gewissheit vergleiche, dann ist da oberfl\u00e4chlich betrachtet ein gro\u00dfer Unterschied. W\u00e4hrend Yunqi darauf abzielt, den Geist \u201eleer\u201c zu machen und einzig mit \u201eNamo-Amida-Butsu!\u201c zu f\u00fcllen, scheint es bei Manshi auf den ersten Blick eher um eine Art Gr\u00fcbelei zu gehen. Das trifft tats\u00e4chlich aber nicht zu. Letztlich geht es beiden Meistern ums Loslassen, ums Sich-\u00fcberlassen und ums Nenbutsu. So schreibt Manshi: \u201eWas ist also die wichtigste Grundlage unseres Lebens? Es ist unser Vertrauen in die Kraft-jenseits-des-Selbst.\u201c Ebenso wie Shinran kam auch Rev. Manshi nach Jahren der pers\u00f6nlichen Suche zu der Erfahrung, dass es auf das Vertrauen in den Buddha ankommt, und so ist seine Religi\u00f6se Gewissheit wohl nichts anderes als Shinjin. Er dr\u00fcckt das wie folgt aus: \u201eDie Kraft des Tathagata ist grenzenlos. Die Kraft des Tathagata ist unvergleichlich. Die Kraft des Tathagata ist allgegenw\u00e4rtig. Sie erf\u00fcllt alles und wirkt frei und ungehindert. Wenn ich mich der wunderbaren Kraft des Tathagata \u00fcberlasse, habe ich gro\u00dfen Frieden und bin getr\u00f6stet. Ich vertraue die gro\u00dfe Frage von Leben und Tod dem Tathagata an und kenne keine Angst und keine Unzufriedenheit mehr.\u201c Was sind diese Erkenntnisse anderes als Ausdruck des Nenbutsu, das ja w\u00f6rtlich auch \u201eSich die Gegenwart des Buddha ins Bewusstsein zu rufen\u201c hei\u00dfen kann? Obwohl es bei unseren Sesshin \u2013 der Zen-Tradition Harada Daiun Sogaku\u2018s und Harada Daisetsu Tangen\u2018s folgend \u2013 durchaus darum geht, eine pers\u00f6nliche Erfahrung des Erwachens zu realisieren, also nicht nur ums blo\u00dfe Sitzen, unterstreichen Ausspr\u00fcche wie \u201eWirf dich hinein in das Haus des Buddha, und alles wird getan von Buddha\u201c (Harada Daisetsu Tangen), dann doch, dass es letztlich ums Loslassen und ums Vertrauen geht. Und da ist Rev. Manshi sicherlich ein gro\u00dfes Beispiel, ein gro\u00dfer Quell der Inspiration! Ebenso war Manshi Kiyozawa auch Lehrer und Wegbereiter vieler auf ihn folgender Shinshu-Lehrer, besonders jener der Jodo Shinshu Higashi-ha, etwa Rev. Akegarasu Haya (1877-1954). Aber auch sonst hatte Manshi den Buddhisten seiner Zeit viel zu sagen \u2013 nicht nur den Shin-Buddhisten: \u201eWiewohl der Buddhist im Einssein lebt, h\u00e4ngt er nicht daran. Er lebt in der Vielheit, doch auch an ihr h\u00e4ngt er nicht. Im \u00dcberweltlichen [seiend], vergisst er das Weltliche nicht; im Weltlichen [seiend], geht er nicht auf in der Jagd nach Ruhm und Reichtum. Mitgef\u00fchl und Weisheit wirken in ihm harmonisch zusammen und stellen keinen Widerspruch dar. Dies sind die wahren Eigenschaften eines Buddhisten.\u201c Ich meine, es ist zu sehr vereinfacht, wenn man Zen und andere japanische Richtungen in die Jiriki-Schublade (\u201eEigenkraft\u201c) und Jodo Shinshu in die Tariki-Schublade (\u201eAndere Kraft\u201c) hinein schiebt \u2013 so einfach und polarisierend funktioniert das aus meiner Sicht nicht! Letztlich geht es darum, den Mittelweg zu finden, vielleicht sogar den eigenen, ganz pers\u00f6nlichen Mittelweg. Und wenn man bereits das Nenbutsu gesprochen bzw. ge\u00fcbt und Vertrauen in den Buddha gefasst hat, warum sollte der Tathagata einen dann nicht erretten? Sollte der Unbegrenzte Buddha da etwa kleinlich sein und Schubladend\u00fcnkel an den Tag legen? \u2013 Ich denke nicht! 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