{"id":1489,"date":"2025-07-14T20:08:42","date_gmt":"2025-07-14T18:08:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgjd.de\/?p=1489"},"modified":"2025-07-14T20:08:42","modified_gmt":"2025-07-14T18:08:42","slug":"gedanken-zu-buddha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/2025\/07\/14\/gedanken-zu-buddha\/","title":{"rendered":"Gedanken zu Buddha"},"content":{"rendered":"\n<p>von Meik N\u00f6rling<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWas ist Buddha?\u201c \u2013 \u201eDie Zypresse dort im Klostergarten!\u201c (Um nicht zu sagen: \u201eEin Kotspachtel!\u201c)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Solche Dialoge alter chinesischer Zen-Meister finden sich in einigen der ber\u00fchmten Koan-Sammlungen, die im Rinzai-Zen w\u00e4hrend und jenseits des sitZens durchgekaut werden. Aber wer oder was ist denn nun eigentlich \u201eBuddha\u201c? \u2013 Da gibt es verschiedene Sichtweisen und Ans\u00e4tze\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst wird als Buddha der <strong>historische Buddha,<\/strong> also ein Mensch mit Namen Siddhartha Gautama aus dem Shakya-Clan bezeichnet, der die \u201eErleuchtung\u201c bzw. das \u201eGro\u00dfe Erwachen\u201c verwirklicht haben soll und deshalb mit der Bezeichnung \u201eBuddha\u201c \u2013 \u201eder Erwachte\u201c \u2013 betitelt wurde und wird. Laut Wikipedia wurde Siddhartha Gautama 563 v. Chr. als adliger Prinz im Wald von Lumbini nahe Kapilavastu im heutigen s\u00fcdlichen Nepal geboren, hatte mit etwa 35 Jahren als wandernder Asket seine gro\u00dfe Erleuchtungserfahrung in einem Wald bei Gaya im heutigen indischen Bundesstaat Bihar und starb im Jahr 483 v. Chr. in einem Wald bei Kushinagar in Uttar Pradesh. Nach seiner Erleuchtung machte er seine Erkenntnisse und Erfahrungen \u00f6ffentlich, gr\u00fcndete einen M\u00f6nchs- und einen Nonnenorden sowie mehrere Gemeinschaften und predigte bis zu seinem Tode seine Lehre (Dharma). Er wird auch als Buddha Shakyamuni bezeichnet. \u201eShakyamuni\u201c bedeutet \u201eder Weise aus dem Clan der Shakya\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mahayana-Buddhismus kennt das Konzept der<strong> Drei K\u00f6rper des Buddha (Trikaya-Lehre).<\/strong> Hier wird zwischen <strong>Dharmakaya<\/strong> (Dharma- oder Weisheitsk\u00f6rper), <strong>Sambogakaya <\/strong>(Freudenk\u00f6rper oder Segensk\u00f6rper) und <strong>Nirmanakaya<\/strong> (Manifestations- oder physischer K\u00f6rper) unterschieden.<br>Der Dharmakaya gilt als Buddha in seiner tats\u00e4chlichen formlosen Gestalt. Dieser wird auch als h\u00f6chste Wahrheit, als das Absolute oder die letztliche Wirklichkeit angesehen. Der Dharmakaya-Buddha wird zwar bildlich dargestellt und ihm wurden auch verschiedenen Namen gegeben, er ist dann aber eher als Metapher oder Gleichnis anzusehen, quasi als Ausdruck des unpers\u00f6nlichen Absoluten.<br>Einen Sambogakaya-Buddha k\u00f6nnte man sich als personifizierte, \u00fcberweltliche Erscheinung des Dharmakaya vorstellen. Er ist kein Teil unserer gew\u00f6hnlichen, physischen \u201eRealit\u00e4t\u201c und kann doch Einfluss auf sie haben und segensreich auf sie wirken. Sehr bekannte Sambogakaya-Buddhas sind der Buddha Amida und der Buddha Medizink\u00f6nig in ihren Reinen Buddha-Gefilden im Westen und Osten.<br>In der Trikaya-Lehre ist <strong><em>Shakyamuni Buddha der Archetyp des Nirmanakaya<\/em><\/strong>, also der Buddha, der sich physisch in unserer profanen Welt verk\u00f6rperte und in die Geschichte eintrat. Viele Anh\u00e4nger des Mantrayana (Vajrayana) w\u00fcrden auch erleuchtete Meister wie Padmasambhava (Guru Rinpoche) oder Kobo Daishi Kukai als Nirmanakaya-Buddhas ansehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon in den alten Suttas des Pali-Kanon sind die k\u00f6rperlichen und sonstigen Merkmale eines (Nirmanakaya-) Buddha aufgelistet \u2013 es soll 32 Gro\u00dfe Merkmale geben und 80 Kleinere Merkmale. Im Theravada-Buddhismus dienen diese Merkmale als Beschreibung des historischen Buddha und sp\u00e4ter dann auch, um diesen bildlich darzustellen. Im Mahayana gelten sie als Merkmale, die zumindest der Erscheinung eines Sambogakaya-Buddha zu eigen sind, w\u00e4hrend der Nirmanakaya-Buddha hier wie ein gew\u00f6hnlicher Mensch erscheinen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die chinesische Tiantai-zong (jap. Tendai Sh\u016b, also Tiantai- oder Tendai-Schule) und der aus ihr hervorgegangene Nichiren-Buddhismus kennen das Konzept der <strong>Zehn Welten oder zehn Lebenszust\u00e4nde<\/strong>, welche die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sechs_Daseinsbereiche\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sechs_Daseinsbereiche\">Sechs Daseinsbereiche<\/a> und die vier h\u00f6heren Daseinsbereiche Shravaka, Pratyeka-Buddha, Bodhisattva und Buddha umfassen. Das in diesen Traditionen etablierte Prinzip <a href=\"http:\/\/www.nonin.de\/seiten\/prinzip2.htm\">Ichinen Sanzen<\/a> besagt, dass <em>\u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tendai-sh%C5%AB#Lehre\">Dreitausend Welten<\/a> in einem einzigen Gedankenmoment enthalten sind\u201c<\/em> und umgekehrt. So wird dann \u201eBuddha\u201c zu einem Lebenszustand, dessen Aspekte immer zu einem gewissen Teil gegenw\u00e4rtig sind. Sogar im (geistigen) Zustand des \u00c4rgers (\u201eAsuras\/Titanen\/Halbg\u00f6tter\u201c) oder des Leids (\u201eH\u00f6lle\u201c) ist der Aspekt der Erleuchtung (\u201eBuddhaschaft\u201c) enthalten, mehr oder weniger, und sei es ab und an auch nur als Potential. Ein Mensch, der sich \u00fcberwiegend im Lebenszustand der Erleuchtung befindet, kann somit als \u201eBuddha\u201c angesehen und bezeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl das Lotus-Sutra als auch das Nirvana-Sutra propagieren die jedem Wesen innewohnende \u201eBuddha-Natur\u201c, also das Potential eines jeden, selbst Buddha zu werden. So schreibt etwa der ehemalige Pr\u00e4sident der Soka Gakkai in einem seiner B\u00fccher: <em>\u201eDer Buddha, das bist du!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das japanische Mantrayana der Shingon Sh\u016b kennt das Ph\u00e4nomen <strong>Sokushinbutsu,<\/strong> das \u201eErlangen der Buddhaschaft im gegenw\u00e4rtigen K\u00f6rper\u201c. Hierbei handelt es sich insbesondere auch um ein langwidriges Ritual der Selbstmumifizierung, bei dem die betreffenden Asketen durch k\u00f6rperliche \u00dcbungen und eine spezielle Di\u00e4t sp\u00e4ter in der Lotus-Haltung sterben und nicht mehr verwesen, zumal sie dann nur noch aus Haut und Knochen bestehen. Diese Praxis und eine Mitwirkung daran ist mittlerweile in Japan verboten! Bei zweien meiner Pilgerschaften in Japan habe ich diese selbstmumifizierten Leichname, <em>die gewordenen Buddha-K\u00f6rper,<\/em> mit eigenen Augen in verschiedenen Shingon-Tempeln in der Provinz Niigata sehen k\u00f6nnen. Auch einigen japanischen Heiligen, insbesondere Kobo Daishi Kukai und Dengyo Daishi Saicho, wird nachgesagt, dass sie nach ihrem Tod in Meditationshaltung verblieben und noch immer in \u201eewiger Meditation\u201c zum Wohle der Menschheit verweilen. In ihren Mausoleen wird diesen Heiligen auch heute noch t\u00e4glich Essen aufgetischt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zen sieht man die <strong>Patriarchen,<\/strong> also die Dharma-Vorfahren mit denen man durch eine direkte Lehrer-und-Sch\u00fcler-Linie, von Buddha Shakyamuni bis heute, verbunden ist, mitunter auch als Buddhas an. So werden ber\u00fchmte chinesische Meister wie Joshu (Zhaozhou Congshen) oder Unmon (Yunmen Wenyan) h\u00e4ufig auch mit \u201eder Alte Buddha\u201c betitelt oder umschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Amida Buddha<\/strong> wird in den \u201eDrei Sutras des Reinen Landes\u201c als absolute Wesenheit dargestellt. Der indische Patriarch Nagarjuna beschreibt ihn detailliert in seinem kurzen Text \u201eDie Zw\u00f6lf Verse der Verehrung\u201c (Junirai), welcher auch in unserem roten Andachtsbuch, Shinshu Gongyoshu, abgedruckt ist (ab Seite 58). Setzt man gedanklich die dort beschriebenen Eigenschaften als definierend f\u00fcr einen Buddha an, dann muss man sich die Frage gefallen lassen, ob so etwas wie die Buddhaschaft denn \u00fcberhaupt von einem Menschen verwirklicht werden k\u00f6nnte\u2026?<\/p>\n\n\n\n<p>Shinran Shonin schreibt in einer seiner Hymnen (Wasan): <em>\u201eAmida, der seit unendlichen Zeiten existierende Buddha, hatte Erbarmen mit uns gew\u00f6hnlichen Narren in der Welt der <\/em>&#8216;<em>F\u00fcnf Entartungen<\/em>&#8216;<em> und erschien deshalb in der Hauptstadt von Gaya, sich selbst als Shakyamuni Buddha offenbarend.\u201c<\/em> F\u00fcr Shinran war der historische Buddha Shakyamuni eine weltliche Verk\u00f6rperung von Buddha Amida und seine Kernaufgabe war es, die \u201eDrei Sutras des Reinen Landes\u201c zu offenbaren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dogen Zenji schreibt hingegen in seinem \u201eShobogenzo-Shoji\u201c, dass es einen einfachen Weg g\u00e4be, Buddha zu werden: <em>\u201eTu\u2018 nichts Schlechtes, halte nicht an Leben-und-Tod fest, habe tiefes Mitgef\u00fchl mit allem Lebenden, respektiere die \u00fcber dir und nimm dich der unter dir an, hege gegen nichts Abscheu, berge keine W\u00fcnsche in deinem Herz, trage dich nicht mit Gedanken und mache dir keine Sorgen. Das nennt man einen Buddha. Suche nach nichts anderem.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das sind nur einige von zahlreichen Konzepten und Sichtweisen, die hier keinesfalls abschlie\u00dfend aufgez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Was ist dann aber wirklich \u201eBuddha\u201c, wer ist \u201eBuddha\u201c? Gibt es eine \u201eauthentische\u201c Sichtweise, darauf, was oder wer Buddha ist und was oder wer nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Zen-Meister Rinzai (Linji Yixuan) sagt: <em>\u201eUnd wenn dir unterwegs der Buddha begegnet, dann t\u00f6te ihn!\u201c<\/em> Im Allgemeinen wird dieser Ausspruch nicht als Aufruf zum Buddha-Mord gedeutet, sondern dahingehend, dass man es ablehnen und tunlichst vermeiden sollte, sich eine fixe Idee oder ein Konzept dar\u00fcber zu machen, was ein Buddha ist (und was nicht).<\/p>\n\n\n\n<p>Und so sollte und muss meine Antwort auf die Frage \u201eWas ist Buddha?\u201c dann auch letztlich lauten: \u201eIch wei\u00df es nicht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/A-Liegender-Buddha-im-Wat-Ban-Den-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1493\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/A-Liegender-Buddha-im-Wat-Ban-Den-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/A-Liegender-Buddha-im-Wat-Ban-Den-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/A-Liegender-Buddha-im-Wat-Ban-Den-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/A-Liegender-Buddha-im-Wat-Ban-Den-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/A-Liegender-Buddha-im-Wat-Ban-Den-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/A-Liegender-Buddha-im-Wat-Ban-Den-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Liegender Buddha im Wat Ban Den (Nordthailand)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/B-Grosser-Buddha-in-Leh-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1494\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/B-Grosser-Buddha-in-Leh-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/B-Grosser-Buddha-in-Leh-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/B-Grosser-Buddha-in-Leh-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/B-Grosser-Buddha-in-Leh-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/B-Grosser-Buddha-in-Leh-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/B-Grosser-Buddha-in-Leh-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gro\u00dfer Buddha in Ladakh (Indien)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/C-Buddha-Trias-im-Lingyin-Si-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1495\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/C-Buddha-Trias-im-Lingyin-Si-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/C-Buddha-Trias-im-Lingyin-Si-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/C-Buddha-Trias-im-Lingyin-Si-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/C-Buddha-Trias-im-Lingyin-Si-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/C-Buddha-Trias-im-Lingyin-Si-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/C-Buddha-Trias-im-Lingyin-Si-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Buddha-Trias im Lingyin Si<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Meik N\u00f6rling \u201eWas ist Buddha?\u201c \u2013 \u201eDie Zypresse dort im Klostergarten!\u201c (Um nicht zu sagen: \u201eEin Kotspachtel!\u201c) Solche Dialoge alter chinesischer Zen-Meister finden sich in einigen der ber\u00fchmten Koan-Sammlungen, die im Rinzai-Zen w\u00e4hrend und jenseits des sitZens durchgekaut werden. Aber wer oder was ist denn nun eigentlich \u201eBuddha\u201c? \u2013 Da gibt es verschiedene Sichtweisen und Ans\u00e4tze\u2026 Zun\u00e4chst wird als Buddha der historische Buddha, also ein Mensch mit Namen Siddhartha Gautama aus dem Shakya-Clan bezeichnet, der die \u201eErleuchtung\u201c bzw. das \u201eGro\u00dfe Erwachen\u201c verwirklicht haben soll und deshalb mit der Bezeichnung \u201eBuddha\u201c \u2013 \u201eder Erwachte\u201c \u2013 betitelt wurde und wird. Laut Wikipedia wurde Siddhartha Gautama 563 v. Chr. als adliger Prinz im Wald von Lumbini nahe Kapilavastu im heutigen s\u00fcdlichen Nepal geboren, hatte mit etwa 35 Jahren als wandernder Asket seine gro\u00dfe Erleuchtungserfahrung in einem Wald bei Gaya im heutigen indischen Bundesstaat Bihar und starb im Jahr 483 v. Chr. in einem Wald bei Kushinagar in Uttar Pradesh. Nach seiner Erleuchtung machte er seine Erkenntnisse und Erfahrungen \u00f6ffentlich, gr\u00fcndete einen M\u00f6nchs- und einen Nonnenorden sowie mehrere Gemeinschaften und predigte bis zu seinem Tode seine Lehre (Dharma). Er wird auch als Buddha Shakyamuni bezeichnet. \u201eShakyamuni\u201c bedeutet \u201eder Weise aus dem Clan der Shakya\u201c. Der Mahayana-Buddhismus kennt das Konzept der Drei K\u00f6rper des Buddha (Trikaya-Lehre). Hier wird zwischen Dharmakaya (Dharma- oder Weisheitsk\u00f6rper), Sambogakaya (Freudenk\u00f6rper oder Segensk\u00f6rper) und Nirmanakaya (Manifestations- oder physischer K\u00f6rper) unterschieden.Der Dharmakaya gilt als Buddha in seiner tats\u00e4chlichen formlosen Gestalt. Dieser wird auch als h\u00f6chste Wahrheit, als das Absolute oder die letztliche Wirklichkeit angesehen. Der Dharmakaya-Buddha wird zwar bildlich dargestellt und ihm wurden auch verschiedenen Namen gegeben, er ist dann aber eher als Metapher oder Gleichnis anzusehen, quasi als Ausdruck des unpers\u00f6nlichen Absoluten.Einen Sambogakaya-Buddha k\u00f6nnte man sich als personifizierte, \u00fcberweltliche Erscheinung des Dharmakaya vorstellen. Er ist kein Teil unserer gew\u00f6hnlichen, physischen \u201eRealit\u00e4t\u201c und kann doch Einfluss auf sie haben und segensreich auf sie wirken. Sehr bekannte Sambogakaya-Buddhas sind der Buddha Amida und der Buddha Medizink\u00f6nig in ihren Reinen Buddha-Gefilden im Westen und Osten.In der Trikaya-Lehre ist Shakyamuni Buddha der Archetyp des Nirmanakaya, also der Buddha, der sich physisch in unserer profanen Welt verk\u00f6rperte und in die Geschichte eintrat. Viele Anh\u00e4nger des Mantrayana (Vajrayana) w\u00fcrden auch erleuchtete Meister wie Padmasambhava (Guru Rinpoche) oder Kobo Daishi Kukai als Nirmanakaya-Buddhas ansehen. Schon in den alten Suttas des Pali-Kanon sind die k\u00f6rperlichen und sonstigen Merkmale eines (Nirmanakaya-) Buddha aufgelistet \u2013 es soll 32 Gro\u00dfe Merkmale geben und 80 Kleinere Merkmale. Im Theravada-Buddhismus dienen diese Merkmale als Beschreibung des historischen Buddha und sp\u00e4ter dann auch, um diesen bildlich darzustellen. Im Mahayana gelten sie als Merkmale, die zumindest der Erscheinung eines Sambogakaya-Buddha zu eigen sind, w\u00e4hrend der Nirmanakaya-Buddha hier wie ein gew\u00f6hnlicher Mensch erscheinen k\u00f6nnte. Die chinesische Tiantai-zong (jap. Tendai Sh\u016b, also Tiantai- oder Tendai-Schule) und der aus ihr hervorgegangene Nichiren-Buddhismus kennen das Konzept der Zehn Welten oder zehn Lebenszust\u00e4nde, welche die Sechs Daseinsbereiche und die vier h\u00f6heren Daseinsbereiche Shravaka, Pratyeka-Buddha, Bodhisattva und Buddha umfassen. Das in diesen Traditionen etablierte Prinzip Ichinen Sanzen besagt, dass \u201eDreitausend Welten in einem einzigen Gedankenmoment enthalten sind\u201c und umgekehrt. So wird dann \u201eBuddha\u201c zu einem Lebenszustand, dessen Aspekte immer zu einem gewissen Teil gegenw\u00e4rtig sind. Sogar im (geistigen) Zustand des \u00c4rgers (\u201eAsuras\/Titanen\/Halbg\u00f6tter\u201c) oder des Leids (\u201eH\u00f6lle\u201c) ist der Aspekt der Erleuchtung (\u201eBuddhaschaft\u201c) enthalten, mehr oder weniger, und sei es ab und an auch nur als Potential. Ein Mensch, der sich \u00fcberwiegend im Lebenszustand der Erleuchtung befindet, kann somit als \u201eBuddha\u201c angesehen und bezeichnet werden. Sowohl das Lotus-Sutra als auch das Nirvana-Sutra propagieren die jedem Wesen innewohnende \u201eBuddha-Natur\u201c, also das Potential eines jeden, selbst Buddha zu werden. So schreibt etwa der ehemalige Pr\u00e4sident der Soka Gakkai in einem seiner B\u00fccher: \u201eDer Buddha, das bist du!\u201c Das japanische Mantrayana der Shingon Sh\u016b kennt das Ph\u00e4nomen Sokushinbutsu, das \u201eErlangen der Buddhaschaft im gegenw\u00e4rtigen K\u00f6rper\u201c. Hierbei handelt es sich insbesondere auch um ein langwidriges Ritual der Selbstmumifizierung, bei dem die betreffenden Asketen durch k\u00f6rperliche \u00dcbungen und eine spezielle Di\u00e4t sp\u00e4ter in der Lotus-Haltung sterben und nicht mehr verwesen, zumal sie dann nur noch aus Haut und Knochen bestehen. Diese Praxis und eine Mitwirkung daran ist mittlerweile in Japan verboten! Bei zweien meiner Pilgerschaften in Japan habe ich diese selbstmumifizierten Leichname, die gewordenen Buddha-K\u00f6rper, mit eigenen Augen in verschiedenen Shingon-Tempeln in der Provinz Niigata sehen k\u00f6nnen. Auch einigen japanischen Heiligen, insbesondere Kobo Daishi Kukai und Dengyo Daishi Saicho, wird nachgesagt, dass sie nach ihrem Tod in Meditationshaltung verblieben und noch immer in \u201eewiger Meditation\u201c zum Wohle der Menschheit verweilen. In ihren Mausoleen wird diesen Heiligen auch heute noch t\u00e4glich Essen aufgetischt. Im Zen sieht man die Patriarchen, also die Dharma-Vorfahren mit denen man durch eine direkte Lehrer-und-Sch\u00fcler-Linie, von Buddha Shakyamuni bis heute, verbunden ist, mitunter auch als Buddhas an. So werden ber\u00fchmte chinesische Meister wie Joshu (Zhaozhou Congshen) oder Unmon (Yunmen Wenyan) h\u00e4ufig auch mit \u201eder Alte Buddha\u201c betitelt oder umschrieben. Amida Buddha wird in den \u201eDrei Sutras des Reinen Landes\u201c als absolute Wesenheit dargestellt. Der indische Patriarch Nagarjuna beschreibt ihn detailliert in seinem kurzen Text \u201eDie Zw\u00f6lf Verse der Verehrung\u201c (Junirai), welcher auch in unserem roten Andachtsbuch, Shinshu Gongyoshu, abgedruckt ist (ab Seite 58). Setzt man gedanklich die dort beschriebenen Eigenschaften als definierend f\u00fcr einen Buddha an, dann muss man sich die Frage gefallen lassen, ob so etwas wie die Buddhaschaft denn \u00fcberhaupt von einem Menschen verwirklicht werden k\u00f6nnte\u2026? Shinran Shonin schreibt in einer seiner Hymnen (Wasan): \u201eAmida, der seit unendlichen Zeiten existierende Buddha, hatte Erbarmen mit uns gew\u00f6hnlichen Narren in der Welt der &#8216;F\u00fcnf Entartungen&#8216; und erschien deshalb in der Hauptstadt von Gaya, sich selbst als Shakyamuni Buddha offenbarend.\u201c F\u00fcr Shinran war der historische Buddha Shakyamuni eine weltliche Verk\u00f6rperung von Buddha Amida und seine Kernaufgabe war es, die \u201eDrei Sutras des Reinen Landes\u201c zu offenbaren. Dogen Zenji schreibt hingegen in seinem \u201eShobogenzo-Shoji\u201c, dass es einen einfachen Weg g\u00e4be, Buddha zu werden: \u201eTu\u2018 nichts Schlechtes, halte nicht an Leben-und-Tod fest, habe tiefes Mitgef\u00fchl mit allem Lebenden, respektiere die \u00fcber dir und nimm dich der unter dir an, hege gegen nichts Abscheu, berge keine W\u00fcnsche in deinem Herz, trage dich nicht mit Gedanken und mache dir keine Sorgen. Das nennt man einen Buddha. Suche nach nichts anderem.\u201c Das sind nur einige von zahlreichen Konzepten und Sichtweisen, die hier keinesfalls abschlie\u00dfend aufgez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Was ist dann aber wirklich \u201eBuddha\u201c, wer ist \u201eBuddha\u201c? Gibt es eine \u201eauthentische\u201c Sichtweise, darauf, was oder wer Buddha ist und was oder wer nicht? Zen-Meister Rinzai (Linji Yixuan) sagt: \u201eUnd wenn dir unterwegs der Buddha begegnet, dann t\u00f6te ihn!\u201c Im Allgemeinen wird dieser Ausspruch nicht als Aufruf zum Buddha-Mord gedeutet, sondern dahingehend, dass man es ablehnen und tunlichst vermeiden sollte, sich eine fixe Idee oder ein Konzept dar\u00fcber zu machen, was ein Buddha ist (und was nicht). Und so sollte und muss meine Antwort auf die Frage \u201eWas ist Buddha?\u201c dann auch letztlich lauten: \u201eIch wei\u00df es nicht\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[47,44,48],"class_list":["post-1489","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-buddha","tag-buddhismus","tag-dreikoerperlehre"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"gb","enabled_languages":["de","gb"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"gb":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1489","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1489"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1489\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1496,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1489\/revisions\/1496"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1489"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1489"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1489"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}