{"id":1498,"date":"2025-09-21T11:27:30","date_gmt":"2025-09-21T09:27:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgjd.de\/?p=1498"},"modified":"2025-09-21T11:28:44","modified_gmt":"2025-09-21T09:28:44","slug":"wie-geht-man-mit-den-asuras-im-hinterhof-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/2025\/09\/21\/wie-geht-man-mit-den-asuras-im-hinterhof-um\/","title":{"rendered":"Wie geht man mit den Asuras im Hinterhof um?"},"content":{"rendered":"\n<p>Deutsche Vorversion f\u00fcr den Vortrag zur Europ\u00e4ischen Shin-Konferenz<\/p>\n\n\n\n<p>von Marc Nottelmann-Feil<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Leben des Bodhisattva N\u0101g\u0101rjuna, einer Legendensammlung aus dem 5. Jahrhundert, lesen wir, dass N\u0101g\u0101rjuna einem K\u00f6nig, der dem Buddhismus feindlich gegen\u00fcberstand, als General diente. Der K\u00f6nig war sehr von seiner eigenen Weisheit \u00fcberzeugt. Als er von N\u0101g\u0101rjunas Weisheit h\u00f6rte, wollte er ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: \u201eWas machen die G\u00f6tter gerade jetzt?\u201c N\u0101g\u0101rjuna antwortete: \u201eDie G\u00f6tter k\u00e4mpfen gegen die Asuras!\u201c Der hochm\u00fctige K\u00f6nig war nun verwirrt, denn nat\u00fcrlich konnte er die Aussage weder beweisen noch widerlegen. Jedoch zeigte ihm N\u0101g\u0101rjuna den Sachverhalt direkt. Es fielen zun\u00e4chst Waffen und R\u00fcstungen vom Himmel, anschlie\u00dfend die abgeschlagenen K\u00f6rperteile der Asuras. <em>(Li, Rongxi (transl.): The Life of N\u0101g\u0101rjuna Bodhisattva in: Lives of Great Monks and Nuns (Berkeley: Numata Center for Buddhist Translation and Research, 2002) p.25-27)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man auf die dreizehn Jahre zur\u00fcckblickt, die seit der Europ\u00e4ischen Shin-Konferenz in Kyoto vergangen sind, als wir \u00fcber ein \u00e4hnliches Thema, Yo naka annon nare \u2013 May peace prevail the World! diskutierten, so scheint sich die Welt von &#8220;annon&#8221;, dem Frieden, weiter entfernt zu haben als je. &#8220;Annon&#8221;, so erkl\u00e4rte ich damals, ist nicht nur der Friede der Menschen untereinander, sondern es ist auch der Friede mit den Gottheiten und damit ist letztlich der Friede des Menschen mit der Natur gemeint. Es scheint, dass der Mensch gegen die Natur k\u00e4mpft. In diesem Aspekt ist er wie ein Asura, der gegen die G\u00f6tter k\u00e4mpft. Vielleicht ist die Menschheit als Ganzes, mithilfe von Technik und Wissenschaft, schon in einen Bereich hineingewachsen, den man zu Zeiten des Buddha als Asura-Bereich bezeichnet h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich leben wir nicht in der mythologischen Welt der N\u0101g\u0101rjuna-Legende. Wir sehen keine abgeschlagenen Arme und Beine von Asuras vom Himmel herabfallen. Aber der Planet eilt von Temperaturrekord zu Temperaturrekord. Ich habe im letzten Herbst durch D\u00fcrre abgestorbene W\u00e4lder in Kalifornien gesehen, und ich sehe dasselbe Ph\u00e4nomen in Deutschland. Im Denken der alten V\u00f6lker waren die Winde G\u00f6tter und Halbgottheiten, und der Jetstream war eine von Ihnen. Die Menschheit hat es anscheinend geschafft, eine solche Gottheit zu \u201et\u00f6ten\u201c. Die Konsequenz tragen wir Menschen selbst. Niemals wird die landwirtschaftliche Produktion in Kalifornien mehr so gro\u00df sein wie in den 2010er Jahren, niemals wird die Forstwirtschaft in Deutschland so viel Holz ernten wie damals.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Menschen verhalten uns also wie Asuras gegen\u00fcber der Natur, sondern auch wie Maras gegen\u00fcber den Mitmenschen. Nicht Harmonie ist die neue Herrschaftsform, sondern Disharmonie. Informationssteuerung und Informations\u00fcberflutung sind Mittel, mit denen man in den Demokratien zur Zeit die Macht an sich rei\u00dfen kann. \u201eBehaupte Unwahrheiten in einem Tempo, dass man mit der Wahrheitsfindung nicht mehr hinterherkommt. Diskreditiere jeden ohne alle Scham oder Redlichkeit. Solange du Aufmerksamkeit f\u00fcr dich selbst erlangst, wird deine Macht wachsen.\u201c Manche Methoden wie Fake News, zur Schau gestellte Dem\u00fctigungen anderer und gewisse Methoden zur Spaltung der Gesellschaft sind schon in den 1930er Jahren von den Nazis erfolgreich angewendet worden. Aber was sind Radio, Lautsprecheranlagen und mitgelesene Briefe im Vergleich zu den sozialen Medien und zur Daten\u00fcberwachung im Internet?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h2>\n\n\n\n<p>Was kann der Einzelne tun, wenn er in einer Gesellschaft lebt, in der die Disharmonie politisch genutzt wird und in der sich die Angst allm\u00e4hlich ausbreitet?<\/p>\n\n\n\n<p>Das erste KZ der Nazis lag nicht in Osteuropa, sondern in Oranienburg n\u00f6rdlich Berlin, und es war nicht gegen die Juden gerichtet, sondern gegen die politischen Gegner. Es waren wenige H\u00e4ftlinge dort und es geschah nicht viel, wenn man es mit den sp\u00e4teren Vernichtungslagern vergleicht. Vielleicht wurden dem Opfer ein paar Knochen gebrochen, ein Zahn ausgeschlagen, der Bart ausgerissen. Wichtig war, dass die Opfer in irgendeiner Weise gezeichnet herauskamen, damit sie allen Menschen in ihrer Umgebung erz\u00e4hlen konnten, dass man ab sofort in Deutschland ohne Anklage, ohne Verteidigung und ohne zeitliche Begrenzung inhaftiert werden kann \u2013 Aber keine Angst! Ein solches Schicksal widerf\u00e4hrt nur Menschen, die als Nazi-Gegner aufgefallen sind!<\/p>\n\n\n\n<p>Heutzutage werden unsere Daten \u2013 seien unsere Bemerkungen in den sozialen Medien, die Liste der B\u00fccher, die wir von der Stadtbibliothek ausgeliehen haben, unsere pers\u00f6nlichen Daten \u2013 von irgendwelchen intransparenten Algorithmen gefiltert und bewertet. Es ist sehr gef\u00e4hrlich, wenn der Staat auf solche Daten zugreifen will. Dann entscheidet sich am Ende eine politische Mustererkennung, ob man ein Einreisevisum bekommt, an der Universit\u00e4t studieren darf oder als Lehrer vom Staat \u00fcbernommen wird. Im dritten Reich lautete die Maxime der meisten Deutschen: Zeige keinen offenen Widerstand! Sonst bekommst du Probleme! \u2013 Ich bef\u00fcrchte, ein \u00e4hnliches Denken verbreitet sich auch in der gegenw\u00e4rtigen Situation. Selbst in Deutschland haben die meisten Menschen schon das Gef\u00fchl, dass man damit vorsichtig sein muss, seine Meinung zu sagen. <em>(Nach Statistika ist Deutschland in Bezug auf die Pressefreiheit hinter einigen [meist nord-] europ\u00e4ischen L\u00e4ndern auf Platz 10. Aber nur noch 40 % der Befragten gaben 2023 an, sie h\u00e4tten das Gef\u00fchl, noch frei und ohne Vorsicht ihre Meinung \u00e4u\u00dfern zu k\u00f6nnen.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt am Anfang einer politisch-gesellschaftlichen Katastrophe eine Phase, in der der direkte Widerstand das gebotene Mittel ist. Diese Phase ist kurz. Man darf sie nicht verpassen. Pastor Niem\u00f6ller, der fast acht Jahre seines Lebens im KZ Sachsenhausen (bei Berlin) und im KZ Dachau (bei M\u00fcnchen) zubrachte, hat seine unpolitische Haltung am Anfang der Nazi-\u00c4ra sp\u00e4ter tief bereut:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.<br>Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.<br>Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.<br>Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Was passiert, wenn der <em>worst case<\/em> eingetreten ist und sich eine alternative Rechtssprechung etabliert hat, wie das in Deutschland etwa nach einem Jahr der Nazi-Herrschaft der Fall war? Im Deutschland der Nazi-Zeit hatte man zwei Optionen, wenn man moralisch integer bleiben wollte: die Emigration ins Ausland und die sogenannte innere Emigration. Innere Emigration bedeutet, dass man sich in seine privaten Angelegenheiten zur\u00fcckzog, wodurch man die Angriffsfl\u00e4che, die man den Nazis bot, verkleinerte. Man verzichtete auf eine gro\u00dfe Karriere und schwieg zur Politik. Einige Schriftsteller schrieben z.B. Kinderb\u00fccher, die meisten Priester und Geistlichen, die sehr gut wussten, dass die Naziideologie b\u00f6sartig war, betrieben Gemeindearbeit und widmeten sich den Alten und Kranken. Das Festhalten am Widerstand, wenn man ihn \u00fcberhaupt als dritte Option bezeichnen will, musste verdeckt geschehen. Widerstandsk\u00e4mpfer mussten st\u00e4ndig l\u00fcgen, sie kamen st\u00e4ndig moralisch in die Zwickm\u00fchle. Dietrich Bonhoeffer, der gro\u00dfe, sp\u00e4ter von den Nazis ermordete evangelische Theologe, hat eine Theorie der Wahrheit entwickelt, die die Verantwortung f\u00fcr eine L\u00fcge unter gewissen Umst\u00e4nden nicht dem L\u00fcgner, sondern dem Fragesteller zuwies. Dies ist k\u00fchn gesprochen und wenig \u00fcberzeugend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">III.<\/h2>\n\n\n\n<p>Shinran war in seinem Leben mit der Verleumdung und Verfolgung des Nembutsu konfrontiert, und er hat, so denke ich, zwei Strategien gegen die Asuras und Maras seiner Zeit gew\u00e4hlt. Man kann diese Strategien grob mit der inneren und \u00e4u\u00dferen Emigration vergleichen. <em>(Ein Vers, in dem Shinran auf den direkten Widerstand zu sprechen kommt, findet sich in \u201eHymns in Praise of Prince Sh\u014dtoku\u201c : There are those who seek to destroy temples, pagodas, and the Buddha-dharma \/ And to bring the nation and sentient beings to ruin. Such people are reincarnations of Moriya; \/ They should be repudiated and overcome (\u53ad\u5374\u964d\u4f0f)\u201d CWS p. 445)<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Der vierzigj\u00e4hrige Shinran w\u00e4hlte die \u00e4u\u00dfere Emigration, als er nach seiner Verbannung nicht nach Ky\u014dto zur\u00fcckkehrte, sondern nach Hitachi in Ostjapan zog. Offensichtlich hatten in Hitachi die Gegner der Nembutsu-Lehre keinen gro\u00dfen Einfluss. Wenige Jahre, nachdem Shinran Hitachi verlassen hatte, versuchte der dritte Patriarch der Jodo-Schule, Ry\u014dch\u016b, in Kazusa, d.h. nicht weit von Shinrans ehemaligen Missionsgebiet einen Tempel zu errichten. Das f\u00fcr seine Zeit ungew\u00f6hnliche Projekt scheiterte, aber nicht am Widerstand der staatlichen Autorit\u00e4ten, sondern an der Landbev\u00f6lkerung, die es nicht finanziell tragen wollte. In der N\u00e4he des Flusses Tonegawa schien also allerhand m\u00f6glich zu sein, was in der Hauptstadt noch lange undenkbar war. <em>(\u68b6\u6751\u6607\u300c\u8056\u5149\u3068\u826f\u5fe0\u3002\u6d44\u571f\u5b97\u4e09\u4ee3\u306e\u7269\u8a9e\u300d\u6d44\u571f\u5b97\u51fa\u7248\u30002008 Kajimura, Noburu: Sh\u014dk\u014d to Ry\u014dch\u016b. J\u014ddosh\u016b sandai no monogatari, [J\u014ddosh\u016b shuppan 2008] p. 187ff)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Ky\u014dto zur\u00fcckgekehrt, lebte Shinran in innerer Emigration. Er machte sich so klein wie m\u00f6glich, fiel niemandem auf. Er sch\u00fctzte damit seine Arbeit und wohl auch seine Familie, sofern sie ihm nach Ky\u014dto gefolgt war, vor den immer wieder aufflammenden Repressionen des Nembutsu. Wenn man Shinran mit dem deutschen Reformator Martin Luther vergleicht, oder auch mit seinem j\u00fcngeren Zeitgenossen Nichiren, so haben sich letztere ganz direkt zur Zeitgeschichte ge\u00e4u\u00dfert. Shinran nicht. Seine Schriften sind, wenn man sie w\u00f6rtlich nimmt, vollkommen unpolitisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Haltung der \u201einneren Emigration\u201c ist bei Shinran tief verankert. Sie ist sein eigentliches Denken im Umgang mit schwierigen politischen Verh\u00e4ltnissen. Wir fragen heute \u201eWie wird man resilient in widrigen Umst\u00e4nden?\u201c Shinran stellte die gleiche Frage mit anderen W\u00f6rtern: \u201eWie verh\u00e4lt man sich gegen\u00fcber den Maras, die sich in den Weg stellen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Tannish\u014d \u00a77 hat Shinran einmal gesagt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cTo practicers who have realized <em>shinjin<\/em>, the gods of the heavens and earth bow in homage, and maras and nonbuddhists* present no obstruction.\u201d<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>With other words, the heart of the resilience is shinjin. Wie kann man das verstehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir shinjin besitzen, dann kennen wir z.B. die Rechte Rede aus dem Achtfachen Pfad: L\u00fcge nicht! Verleumde nicht! Entzweie nicht die Menschen durch deine Rede! Rede nichts Unn\u00f6tiges! \u2013 Wenn wir mit diesem Ma\u00dfstab die Reden gewisser Spitzenpolitiker h\u00f6ren, dann steigt zun\u00e4chst Ekel in uns auf. Wir nehmen ihre Schamlosigkeit und moralische Verkommenheit wahr, wie Mundgeruch, der aus mangelnder Mundhygiene folgt. Das ist er erste Schritt! Man muss die Maras als Maras erkennen, man darf sie nicht besch\u00f6nigen. (Selbstverst\u00e4ndlich m\u00f6chte ich keinen Menschen d\u00e4monisieren. Niemand ist von Natur aus ein Mara. Jeder Mensch ist immer frei, auch anders zu handeln. Aber manche Menschen verhalten sich so wie Maras.) Vielleicht dienen ihre L\u00fcgen einem guten Zweck, vielleicht erreichen sie damit etwas Positives. Aber das ist nicht der Punkt! Es gibt eine Art und Weise, wie man sich unter keinen Umst\u00e4nden seinen Mitmenschen gegen\u00fcber verhalten darf, auch wenn man mit seinen politischen Ansichten zu hundert Prozent Recht h\u00e4tte (was meistens nicht der Fall ist). Man soll sich nicht solidarisieren mit Menschen dieses Schlags, selbst wenn man einige ihrer Gedanken f\u00fcr richtig h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der buddhistischen Lehre folgt sogleich dieser Gedanke: Nicht wir werden der Erbe dieses schlimmen Karmas sein, sondern sie selbst. Wir haben nur insofern schlechtes Karma gemacht, dass wir Zeitgenossen solcher Individuen sein m\u00fcssen. Aber damit ist unser schlechtes Karma schon ersch\u00f6pft. Auch wenn diese Menschen mit ihrem Wirken die Erde zu einem unbewohnbaren Planeten machen sollten, so betrifft ihr Karma letztendlich nicht uns. Es f\u00e4llt ausschlie\u00dflich auf sie selbst zur\u00fcck. Das ist der zweite Schritt: Wir machen uns klar, dass wir unabh\u00e4ngig von diesen Menschen sind! Sie k\u00f6nnen uns letztendlich kein Leid zuf\u00fcgen, es sei denn, wir haben es uns durch unser fr\u00fchere Wirken schon selbst verdient. Dieser Gedanke f\u00fchrt zur Gelassenheit. Diese Menschen k\u00f6nnen uns nicht zwingen, dass wir mit Zorn auf sie reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Menschen m\u00f6gen die reichsten und m\u00e4chtigsten Menschen der Welt sein, und sich gro\u00dfartig vorkommen, sie sind trotzdem arme Schlucker. Sie sind weniger beneidenswert als die Oblachlosen, die ich in Oakland und in letzter Zeit auch in D\u00fcsseldorf neben dem Bahnhof gesehen habe. Ein Bettler tut meist wenig schlimme Dinge. Aber ein Hate-speech-Agitator, der die ganze Welt durcheinanderbringt, kann fast unbegrenzt Schaden anrichten. Und er kennt dabei nicht die Folgen, die das f\u00fcr ihn selbst hat. Er ist im Sinne des Buddhismus vollkommen unwissend. Darum empfindet ein Mensch mit shinjin nicht Verachtung oder Zorn gegen\u00fcber einem solchen Individuum, sondern Mitgef\u00fchl. Das ist der dritte Schritt. In dem Augenblick, wo gegen\u00fcber der moralischen Verkommenheit Mitleid entsteht, verbeugen sich die G\u00f6tter in Verehrung vor dem Nembutsu-\u00dcbenden, und die Maras verlieren ihren Einfluss auf ihn.<\/p>\n\n\n\n<p><em>* CWS p. 655. \u201enonbuddhist\u201c is the translation for j. ged\u014d \u5916\u9053 \u201eouter ways\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">IV.<\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Seeing the sentient beings of the nembutsu<br>Throughout the worlds, countless as particles, in the ten quarters,<br>The Buddha grasps and never abandons them,<br>And therefore is named \u201cAmida\u201d. (Hymns of the Pure Land,\u00a782, CWS p.347)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diedrich Bonhoeffer, der von den Nazis im KZ Flossenburg ermordete evangelische Theologe, schrieb in der Todeszelle ein in Deutschland sehr ber\u00fchmtes Gedicht, das die Resilienz eines Christen gegen\u00fcber dem B\u00f6sen beschreibt. Zu Beginn des Jahres 1945 war das B\u00f6se wirklich hautnah an Bonhoeffer heranger\u00fcckt. Damals verfasste er folgendes Neujahrsgedicht an seine Freunde au\u00dferhalb des KZ, die in der Angst vor ihrer eigenen Verhaftung oder alliierten Bombenangriffen lebten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Von guten M\u00e4chten treu und still umgeben,<br>beh\u00fctet und getr\u00f6stet wunderbar<br>so will ich diese Tage mit euch leben<br>und mit euch gehen in ein neues Jahr. (\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p>Von guten M\u00e4chten wunderbar geborgen,<br>erwarten wir getrost, was kommen mag.<br>Gott ist bei uns am Abend und am Morgen<br>und ganz gewiss an jedem neuen Tag.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche Vorversion f\u00fcr den Vortrag zur Europ\u00e4ischen Shin-Konferenz von Marc Nottelmann-Feil I. Im Leben des Bodhisattva N\u0101g\u0101rjuna, einer Legendensammlung aus dem 5. Jahrhundert, lesen wir, dass N\u0101g\u0101rjuna einem K\u00f6nig, der dem Buddhismus feindlich gegen\u00fcberstand, als General diente. Der K\u00f6nig war sehr von seiner eigenen Weisheit \u00fcberzeugt. Als er von N\u0101g\u0101rjunas Weisheit h\u00f6rte, wollte er ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: \u201eWas machen die G\u00f6tter gerade jetzt?\u201c N\u0101g\u0101rjuna antwortete: \u201eDie G\u00f6tter k\u00e4mpfen gegen die Asuras!\u201c Der hochm\u00fctige K\u00f6nig war nun verwirrt, denn nat\u00fcrlich konnte er die Aussage weder beweisen noch widerlegen. Jedoch zeigte ihm N\u0101g\u0101rjuna den Sachverhalt direkt. Es fielen zun\u00e4chst Waffen und R\u00fcstungen vom Himmel, anschlie\u00dfend die abgeschlagenen K\u00f6rperteile der Asuras. (Li, Rongxi (transl.): The Life of N\u0101g\u0101rjuna Bodhisattva in: Lives of Great Monks and Nuns (Berkeley: Numata Center for Buddhist Translation and Research, 2002) p.25-27) Wenn man auf die dreizehn Jahre zur\u00fcckblickt, die seit der Europ\u00e4ischen Shin-Konferenz in Kyoto vergangen sind, als wir \u00fcber ein \u00e4hnliches Thema, Yo naka annon nare \u2013 May peace prevail the World! diskutierten, so scheint sich die Welt von &#8220;annon&#8221;, dem Frieden, weiter entfernt zu haben als je. &#8220;Annon&#8221;, so erkl\u00e4rte ich damals, ist nicht nur der Friede der Menschen untereinander, sondern es ist auch der Friede mit den Gottheiten und damit ist letztlich der Friede des Menschen mit der Natur gemeint. Es scheint, dass der Mensch gegen die Natur k\u00e4mpft. In diesem Aspekt ist er wie ein Asura, der gegen die G\u00f6tter k\u00e4mpft. Vielleicht ist die Menschheit als Ganzes, mithilfe von Technik und Wissenschaft, schon in einen Bereich hineingewachsen, den man zu Zeiten des Buddha als Asura-Bereich bezeichnet h\u00e4tte. Nat\u00fcrlich leben wir nicht in der mythologischen Welt der N\u0101g\u0101rjuna-Legende. Wir sehen keine abgeschlagenen Arme und Beine von Asuras vom Himmel herabfallen. Aber der Planet eilt von Temperaturrekord zu Temperaturrekord. Ich habe im letzten Herbst durch D\u00fcrre abgestorbene W\u00e4lder in Kalifornien gesehen, und ich sehe dasselbe Ph\u00e4nomen in Deutschland. Im Denken der alten V\u00f6lker waren die Winde G\u00f6tter und Halbgottheiten, und der Jetstream war eine von Ihnen. Die Menschheit hat es anscheinend geschafft, eine solche Gottheit zu \u201et\u00f6ten\u201c. Die Konsequenz tragen wir Menschen selbst. Niemals wird die landwirtschaftliche Produktion in Kalifornien mehr so gro\u00df sein wie in den 2010er Jahren, niemals wird die Forstwirtschaft in Deutschland so viel Holz ernten wie damals. Wir Menschen verhalten uns also wie Asuras gegen\u00fcber der Natur, sondern auch wie Maras gegen\u00fcber den Mitmenschen. Nicht Harmonie ist die neue Herrschaftsform, sondern Disharmonie. Informationssteuerung und Informations\u00fcberflutung sind Mittel, mit denen man in den Demokratien zur Zeit die Macht an sich rei\u00dfen kann. \u201eBehaupte Unwahrheiten in einem Tempo, dass man mit der Wahrheitsfindung nicht mehr hinterherkommt. Diskreditiere jeden ohne alle Scham oder Redlichkeit. Solange du Aufmerksamkeit f\u00fcr dich selbst erlangst, wird deine Macht wachsen.\u201c Manche Methoden wie Fake News, zur Schau gestellte Dem\u00fctigungen anderer und gewisse Methoden zur Spaltung der Gesellschaft sind schon in den 1930er Jahren von den Nazis erfolgreich angewendet worden. Aber was sind Radio, Lautsprecheranlagen und mitgelesene Briefe im Vergleich zu den sozialen Medien und zur Daten\u00fcberwachung im Internet? II. Was kann der Einzelne tun, wenn er in einer Gesellschaft lebt, in der die Disharmonie politisch genutzt wird und in der sich die Angst allm\u00e4hlich ausbreitet? Das erste KZ der Nazis lag nicht in Osteuropa, sondern in Oranienburg n\u00f6rdlich Berlin, und es war nicht gegen die Juden gerichtet, sondern gegen die politischen Gegner. Es waren wenige H\u00e4ftlinge dort und es geschah nicht viel, wenn man es mit den sp\u00e4teren Vernichtungslagern vergleicht. Vielleicht wurden dem Opfer ein paar Knochen gebrochen, ein Zahn ausgeschlagen, der Bart ausgerissen. Wichtig war, dass die Opfer in irgendeiner Weise gezeichnet herauskamen, damit sie allen Menschen in ihrer Umgebung erz\u00e4hlen konnten, dass man ab sofort in Deutschland ohne Anklage, ohne Verteidigung und ohne zeitliche Begrenzung inhaftiert werden kann \u2013 Aber keine Angst! Ein solches Schicksal widerf\u00e4hrt nur Menschen, die als Nazi-Gegner aufgefallen sind! Heutzutage werden unsere Daten \u2013 seien unsere Bemerkungen in den sozialen Medien, die Liste der B\u00fccher, die wir von der Stadtbibliothek ausgeliehen haben, unsere pers\u00f6nlichen Daten \u2013 von irgendwelchen intransparenten Algorithmen gefiltert und bewertet. Es ist sehr gef\u00e4hrlich, wenn der Staat auf solche Daten zugreifen will. Dann entscheidet sich am Ende eine politische Mustererkennung, ob man ein Einreisevisum bekommt, an der Universit\u00e4t studieren darf oder als Lehrer vom Staat \u00fcbernommen wird. Im dritten Reich lautete die Maxime der meisten Deutschen: Zeige keinen offenen Widerstand! Sonst bekommst du Probleme! \u2013 Ich bef\u00fcrchte, ein \u00e4hnliches Denken verbreitet sich auch in der gegenw\u00e4rtigen Situation. Selbst in Deutschland haben die meisten Menschen schon das Gef\u00fchl, dass man damit vorsichtig sein muss, seine Meinung zu sagen. (Nach Statistika ist Deutschland in Bezug auf die Pressefreiheit hinter einigen [meist nord-] europ\u00e4ischen L\u00e4ndern auf Platz 10. Aber nur noch 40 % der Befragten gaben 2023 an, sie h\u00e4tten das Gef\u00fchl, noch frei und ohne Vorsicht ihre Meinung \u00e4u\u00dfern zu k\u00f6nnen.) Es gibt am Anfang einer politisch-gesellschaftlichen Katastrophe eine Phase, in der der direkte Widerstand das gebotene Mittel ist. Diese Phase ist kurz. Man darf sie nicht verpassen. Pastor Niem\u00f6ller, der fast acht Jahre seines Lebens im KZ Sachsenhausen (bei Berlin) und im KZ Dachau (bei M\u00fcnchen) zubrachte, hat seine unpolitische Haltung am Anfang der Nazi-\u00c4ra sp\u00e4ter tief bereut: Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte. Was passiert, wenn der worst case eingetreten ist und sich eine alternative Rechtssprechung etabliert hat, wie das in Deutschland etwa nach einem Jahr der Nazi-Herrschaft der Fall war? Im Deutschland der Nazi-Zeit hatte man zwei Optionen, wenn man moralisch integer bleiben wollte: die Emigration ins Ausland und die sogenannte innere Emigration. Innere Emigration bedeutet, dass man sich in seine privaten Angelegenheiten zur\u00fcckzog, wodurch man die Angriffsfl\u00e4che, die man den Nazis bot, verkleinerte. Man verzichtete auf eine gro\u00dfe Karriere und schwieg zur Politik. Einige Schriftsteller schrieben z.B. Kinderb\u00fccher, die meisten Priester und Geistlichen, die sehr gut wussten, dass die Naziideologie b\u00f6sartig war, betrieben Gemeindearbeit und widmeten sich den Alten und Kranken. Das Festhalten am Widerstand, wenn man ihn \u00fcberhaupt als dritte Option bezeichnen will, musste verdeckt geschehen. Widerstandsk\u00e4mpfer mussten st\u00e4ndig l\u00fcgen, sie kamen st\u00e4ndig moralisch in die Zwickm\u00fchle. Dietrich Bonhoeffer, der gro\u00dfe, sp\u00e4ter von den Nazis ermordete evangelische Theologe, hat eine Theorie der Wahrheit entwickelt, die die Verantwortung f\u00fcr eine L\u00fcge unter gewissen Umst\u00e4nden nicht dem L\u00fcgner, sondern dem Fragesteller zuwies. Dies ist k\u00fchn gesprochen und wenig \u00fcberzeugend. III. Shinran war in seinem Leben mit der Verleumdung und Verfolgung des Nembutsu konfrontiert, und er hat, so denke ich, zwei Strategien gegen die Asuras und Maras seiner Zeit gew\u00e4hlt. Man kann diese Strategien grob mit der inneren und \u00e4u\u00dferen Emigration vergleichen. (Ein Vers, in dem Shinran auf den direkten Widerstand zu sprechen kommt, findet sich in \u201eHymns in Praise of Prince Sh\u014dtoku\u201c : There are those who seek to destroy temples, pagodas, and the Buddha-dharma \/ And to bring the nation and sentient beings to ruin. Such people are reincarnations of Moriya; \/ They should be repudiated and overcome (\u53ad\u5374\u964d\u4f0f)\u201d CWS p. 445) Der vierzigj\u00e4hrige Shinran w\u00e4hlte die \u00e4u\u00dfere Emigration, als er nach seiner Verbannung nicht nach Ky\u014dto zur\u00fcckkehrte, sondern nach Hitachi in Ostjapan zog. Offensichtlich hatten in Hitachi die Gegner der Nembutsu-Lehre keinen gro\u00dfen Einfluss. Wenige Jahre, nachdem Shinran Hitachi verlassen hatte, versuchte der dritte Patriarch der Jodo-Schule, Ry\u014dch\u016b, in Kazusa, d.h. nicht weit von Shinrans ehemaligen Missionsgebiet einen Tempel zu errichten. Das f\u00fcr seine Zeit ungew\u00f6hnliche Projekt scheiterte, aber nicht am Widerstand der staatlichen Autorit\u00e4ten, sondern an der Landbev\u00f6lkerung, die es nicht finanziell tragen wollte. In der N\u00e4he des Flusses Tonegawa schien also allerhand m\u00f6glich zu sein, was in der Hauptstadt noch lange undenkbar war. (\u68b6\u6751\u6607\u300c\u8056\u5149\u3068\u826f\u5fe0\u3002\u6d44\u571f\u5b97\u4e09\u4ee3\u306e\u7269\u8a9e\u300d\u6d44\u571f\u5b97\u51fa\u7248\u30002008 Kajimura, Noburu: Sh\u014dk\u014d to Ry\u014dch\u016b. J\u014ddosh\u016b sandai no monogatari, [J\u014ddosh\u016b shuppan 2008] p. 187ff) Nach Ky\u014dto zur\u00fcckgekehrt, lebte Shinran in innerer Emigration. Er machte sich so klein wie m\u00f6glich, fiel niemandem auf. Er sch\u00fctzte damit seine Arbeit und wohl auch seine Familie, sofern sie ihm nach Ky\u014dto gefolgt war, vor den immer wieder aufflammenden Repressionen des Nembutsu. Wenn man Shinran mit dem deutschen Reformator Martin Luther vergleicht, oder auch mit seinem j\u00fcngeren Zeitgenossen Nichiren, so haben sich letztere ganz direkt zur Zeitgeschichte ge\u00e4u\u00dfert. Shinran nicht. Seine Schriften sind, wenn man sie w\u00f6rtlich nimmt, vollkommen unpolitisch. Die Haltung der \u201einneren Emigration\u201c ist bei Shinran tief verankert. Sie ist sein eigentliches Denken im Umgang mit schwierigen politischen Verh\u00e4ltnissen. Wir fragen heute \u201eWie wird man resilient in widrigen Umst\u00e4nden?\u201c Shinran stellte die gleiche Frage mit anderen W\u00f6rtern: \u201eWie verh\u00e4lt man sich gegen\u00fcber den Maras, die sich in den Weg stellen?\u201c Nach dem Tannish\u014d \u00a77 hat Shinran einmal gesagt: \u201cTo practicers who have realized shinjin, the gods of the heavens and earth bow in homage, and maras and nonbuddhists* present no obstruction.\u201d With other words, the heart of the resilience is shinjin. Wie kann man das verstehen? Wenn wir shinjin besitzen, dann kennen wir z.B. die Rechte Rede aus dem Achtfachen Pfad: L\u00fcge nicht! Verleumde nicht! Entzweie nicht die Menschen durch deine Rede! Rede nichts Unn\u00f6tiges! \u2013 Wenn wir mit diesem Ma\u00dfstab die Reden gewisser Spitzenpolitiker h\u00f6ren, dann steigt zun\u00e4chst Ekel in uns auf. Wir nehmen ihre Schamlosigkeit und moralische Verkommenheit wahr, wie Mundgeruch, der aus mangelnder Mundhygiene folgt. Das ist er erste Schritt! Man muss die Maras als Maras erkennen, man darf sie nicht besch\u00f6nigen. (Selbstverst\u00e4ndlich m\u00f6chte ich keinen Menschen d\u00e4monisieren. Niemand ist von Natur aus ein Mara. Jeder Mensch ist immer frei, auch anders zu handeln. Aber manche Menschen verhalten sich so wie Maras.) Vielleicht dienen ihre L\u00fcgen einem guten Zweck, vielleicht erreichen sie damit etwas Positives. Aber das ist nicht der Punkt! Es gibt eine Art und Weise, wie man sich unter keinen Umst\u00e4nden seinen Mitmenschen gegen\u00fcber verhalten darf, auch wenn man mit seinen politischen Ansichten zu hundert Prozent Recht h\u00e4tte (was meistens nicht der Fall ist). Man soll sich nicht solidarisieren mit Menschen dieses Schlags, selbst wenn man einige ihrer Gedanken f\u00fcr richtig h\u00e4lt. Aus der buddhistischen Lehre folgt sogleich dieser Gedanke: Nicht wir werden der Erbe dieses schlimmen Karmas sein, sondern sie selbst. Wir haben nur insofern schlechtes Karma gemacht, dass wir Zeitgenossen solcher Individuen sein m\u00fcssen. Aber damit ist unser schlechtes Karma schon ersch\u00f6pft. Auch wenn diese Menschen mit ihrem Wirken die Erde zu einem unbewohnbaren Planeten machen sollten, so betrifft ihr Karma letztendlich nicht uns. Es f\u00e4llt ausschlie\u00dflich auf sie selbst zur\u00fcck. Das ist der zweite Schritt: Wir machen uns klar, dass wir unabh\u00e4ngig von diesen Menschen sind! Sie k\u00f6nnen uns letztendlich kein Leid zuf\u00fcgen, es sei denn, wir haben es uns durch unser fr\u00fchere Wirken schon selbst verdient. Dieser Gedanke f\u00fchrt zur Gelassenheit. Diese Menschen k\u00f6nnen uns nicht zwingen, dass wir mit Zorn auf sie reagieren. Diese Menschen m\u00f6gen die reichsten und m\u00e4chtigsten Menschen der Welt sein, und sich gro\u00dfartig vorkommen, sie sind trotzdem arme Schlucker. Sie sind weniger beneidenswert als die Oblachlosen, die ich in Oakland und in letzter Zeit auch in D\u00fcsseldorf neben dem Bahnhof gesehen habe. Ein Bettler tut meist wenig schlimme Dinge. Aber ein Hate-speech-Agitator, der die ganze Welt durcheinanderbringt, kann fast unbegrenzt Schaden anrichten. Und er kennt dabei nicht die Folgen, die das f\u00fcr ihn selbst hat. Er ist im Sinne des Buddhismus vollkommen unwissend. Darum empfindet ein Mensch mit shinjin nicht Verachtung oder Zorn gegen\u00fcber einem solchen Individuum, sondern Mitgef\u00fchl. Das ist der dritte Schritt. In dem Augenblick, wo gegen\u00fcber der moralischen Verkommenheit Mitleid entsteht, verbeugen sich die G\u00f6tter in Verehrung vor dem Nembutsu-\u00dcbenden, und die Maras verlieren ihren Einfluss auf ihn. * CWS p. 655. \u201enonbuddhist\u201c is the translation for j. ged\u014d \u5916\u9053 \u201eouter ways\u201c. IV. Seeing the sentient beings of the nembutsuThroughout the worlds, countless as particles, in the ten quarters,The Buddha grasps and never abandons them,And therefore is named \u201cAmida\u201d. (Hymns of the Pure Land,\u00a782, CWS p.347) Diedrich Bonhoeffer, der von den Nazis im KZ Flossenburg ermordete evangelische Theologe, schrieb in der Todeszelle ein in Deutschland sehr ber\u00fchmtes Gedicht, das die Resilienz&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1498","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"gb","enabled_languages":["de","gb"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"gb":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1498","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1498"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1498\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1511,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1498\/revisions\/1511"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1498"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1498"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1498"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}