{"id":1549,"date":"2026-02-04T16:05:24","date_gmt":"2026-02-04T15:05:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgjd.de\/?p=1549"},"modified":"2026-02-11T17:26:54","modified_gmt":"2026-02-11T16:26:54","slug":"buch-rezension-canxue-suotan-von-zhenhua","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/2026\/02\/04\/buch-rezension-canxue-suotan-von-zhenhua\/","title":{"rendered":"Buch-Rezension: \u201eCanxue suotan\u201c von Zhenhua"},"content":{"rendered":"\n<p>von Meik N\u00f6rling<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend einer Pilgerwanderung auf deutschen Jakobswegen im letzten Jahr hatte ich mir als Lekt\u00fcre Zhenhuas \u201eLehr- und Wanderjahre eines chinesischen buddhistischen M\u00f6nches\u201c (chin. \u201eCanxue suotan\u201c) mitgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das autobiografische Werk des chinesischen Bhikkhu Zhenhua (*1922 bis +2012) gilt auf Taiwan bereits als Klassiker der modernen buddhistischen Literatur. Die deutsche Fassung wurde von Marcus G\u00fcnzel \u00fcbersetzt und bei epubli.com auch von diesem herausgegeben. <a href=\"https:\/\/www.epubli.com\/shop\/lehr-und-wanderjahre-eines-chinesischen-buddhistischen-moenches-9783819754050\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Man kann es online bestellen<\/a>, \u00fcberall wo es B\u00fccher gibt, selbstverst\u00e4ndlich auch \u00fcber die Buchhandlung im Ort beziehen. Die aktuelle 2. Auflage ist von 2025.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Lebensbericht des Autors Zhenhua, der bereits im jungen Alter von 14 Jahren Novize in einem kleinen buddhistischen Tempel im Norden (bzw. im Zentrum) des chinesischen Festlands wurde, beginnt nach einigen einleitenden Seiten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, wo die japanischen Besatzer von den chinesischen Kommunisten und den Nationalisten besiegt wurden und der chinesische B\u00fcrgerkrieg in seine Endphase eintrat. Zhenhua erh\u00e4lt von seinem Meister die Erlaubnis, in den S\u00fcden des Chinesischen Reichs, das damalige Kernland zwischen der alten Hauptstadt Nanjing (Nanking) und der Hafenstadt Shanghai, zu reisen um dort in einem der gro\u00dfen buddhistischen Kl\u00f6ster zu ordinieren und zu studieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zhenhua berichtet also zuerst \u00fcber die Zust\u00e4nde in seinem kleinen Heimattempel und \u00fcber seine Reise von Yongcheng in der Provinz Henan nach S\u00fcden, in die Gegend um Nanjing. Nachdem er dort angekommen ist, geht es um die Herausforderung, zum Bhikkhu ordiniert zu werden, um die Zust\u00e4nde in den gro\u00dfen Ordinationskl\u00f6stern im chinesischen Kernland und auch ganz allgemein darum, wie das Leben von chinesischen Ordinierten in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts aussah. Der Autor, der sp\u00e4ter eine nicht ganz unwichtige Rolle beim Aufbau des chinesischen Buddhismus auf Taiwan spielen sollte, vergleicht hier oft die damaligen Zust\u00e4nde im Mutterland mit den Gegebenheiten in den heutigen gro\u00dfen Kl\u00f6stern auf Taiwan, in denen er bis zu seinem Tode im Jahr 2012 gelebt und gelehrt hat. Bei diesen Vergleichen und auch bei seiner Kritik an den Zust\u00e4nden in manchen Kl\u00f6stern nimmt Zhenhua kein Blatt vor den Mund und gibt mehr als einmal rechtfertigend zu bedenken, dass seine Kritik zwar unangebracht erscheint, aber irgendwie doch zum Wohle des Dharma vorgetragen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erfahren, dass der chinesische Buddhismus nach au\u00dfen hin zwar als Einheit in Erscheinung tritt, sich tats\u00e4chlich aber in verschiedene Praxis-Str\u00f6mungen aufspaltet, welche die einzelnen Kl\u00f6ster jeweils dominieren. So erw\u00e4hnt Zhenhua sp\u00e4ter von seinen Optionen, etwa in ein Chan-Kloster (Schwerpunkt Zen), ein Vinaya-Kloster (Schwerpunkt auf den Vorschriften) oder ein Jingtu-Kloster (Schwerpunkt Reines-Land-Buddhismus) einzutreten. Hierbei scheint die Zuordnung der Kl\u00f6ster zu diesen Praxisformen keinesfalls feststehend zu sein, sondern sich vielmehr danach zu richten, wer zum Oberabt des Klosters ernannt wird und welche Dharma-Praxis dieser Abt dann lehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>So tritt Zhenhua dann sp\u00e4ter in ein Jingtu-Kloster ein, um \u201edie Rezitation des Buddha-Namens zu lernen\u201c und zu studieren. Als Shin-Buddhist stellt man schnell fest, dass der chinesische Buddhismus des Reinen Landes (Jingtu) zwar gewisse \u00c4hnlichkeiten mit seiner japanischen Entsprechung hat, dass es aber insbesondere in der Aus\u00fcbung und der Lebensweise seiner ordinierten Anh\u00e4nger und auch der Laien gro\u00dfe Unterschiede gibt. So steht Zhenhua sp\u00e4ter in der Tradition von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Shi_Yinguang\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Meister Yinguang (*1861 bis +1940)<\/a>, der im chinesischen Buddhismus als <a href=\"https:\/\/www.pure-land-buddhism.com\/pure-land-patriarchs\">13. Patriarch der Lehren des Reinen Landes<\/a> angesehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Ende des Buches beschreibt er die Nenbutsu-Retreats, die in seinem Kloster abgehalten werden, die sogenannten \u201eBuddha-Wochen\u201c, die er mit \u00e4hnlichen Retreats auf Taiwan, die dort noch heute stattfinden, vergleicht. Er berichtet von wundersamen Ereignissen, die aus seiner Sicht die Wirksamkeit der Reines-Land-Lehren belegen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war das Buch sehr interessant. Es ist ansprechend geschrieben, einfach zu lesen und auch die chinesisch-buddhistischen Fachbegriffe werden einerseits gut im Anhang erkl\u00e4rt und durchsetzen das Buch andererseits dann auch keinesfalls so, dass es nicht mehr fl\u00fcssig lesbar w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ordinierter Zen-Buddhist, der zumindest schon einige Wochen in Tempeln und Kl\u00f6stern der japanischen Tradition hier in Europa, in den USA und in Japan zugebracht hat, ist es nat\u00fcrlich spannend zu lesen, wie das monastische Leben im China des vorherigen Jahrhunderts, vor der Kulturrevolution, ablief. Und als Anh\u00e4nger der Jodo Shinshu hier in Europa ist es auch sehr interessant zu erfahren, wie der Glaube und die Praxis in Bezug auf Buddha Amida in einer anderen Kultur und Traditionslinie sich darstellt. Vor diesem Hintergrund liegt hier nat\u00fcrlich ein Buch der Kategorie \u201eSpecial Interests\u201c vor, aber als solches, wenn das Thema einen interessiert, kann ich es sehr empfehlen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Meik N\u00f6rling W\u00e4hrend einer Pilgerwanderung auf deutschen Jakobswegen im letzten Jahr hatte ich mir als Lekt\u00fcre Zhenhuas \u201eLehr- und Wanderjahre eines chinesischen buddhistischen M\u00f6nches\u201c (chin. \u201eCanxue suotan\u201c) mitgenommen. Das autobiografische Werk des chinesischen Bhikkhu Zhenhua (*1922 bis +2012) gilt auf Taiwan bereits als Klassiker der modernen buddhistischen Literatur. Die deutsche Fassung wurde von Marcus G\u00fcnzel \u00fcbersetzt und bei epubli.com auch von diesem herausgegeben. Man kann es online bestellen, \u00fcberall wo es B\u00fccher gibt, selbstverst\u00e4ndlich auch \u00fcber die Buchhandlung im Ort beziehen. Die aktuelle 2. Auflage ist von 2025. Der eigentliche Lebensbericht des Autors Zhenhua, der bereits im jungen Alter von 14 Jahren Novize in einem kleinen buddhistischen Tempel im Norden (bzw. im Zentrum) des chinesischen Festlands wurde, beginnt nach einigen einleitenden Seiten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, wo die japanischen Besatzer von den chinesischen Kommunisten und den Nationalisten besiegt wurden und der chinesische B\u00fcrgerkrieg in seine Endphase eintrat. Zhenhua erh\u00e4lt von seinem Meister die Erlaubnis, in den S\u00fcden des Chinesischen Reichs, das damalige Kernland zwischen der alten Hauptstadt Nanjing (Nanking) und der Hafenstadt Shanghai, zu reisen um dort in einem der gro\u00dfen buddhistischen Kl\u00f6ster zu ordinieren und zu studieren. Zhenhua berichtet also zuerst \u00fcber die Zust\u00e4nde in seinem kleinen Heimattempel und \u00fcber seine Reise von Yongcheng in der Provinz Henan nach S\u00fcden, in die Gegend um Nanjing. Nachdem er dort angekommen ist, geht es um die Herausforderung, zum Bhikkhu ordiniert zu werden, um die Zust\u00e4nde in den gro\u00dfen Ordinationskl\u00f6stern im chinesischen Kernland und auch ganz allgemein darum, wie das Leben von chinesischen Ordinierten in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts aussah. Der Autor, der sp\u00e4ter eine nicht ganz unwichtige Rolle beim Aufbau des chinesischen Buddhismus auf Taiwan spielen sollte, vergleicht hier oft die damaligen Zust\u00e4nde im Mutterland mit den Gegebenheiten in den heutigen gro\u00dfen Kl\u00f6stern auf Taiwan, in denen er bis zu seinem Tode im Jahr 2012 gelebt und gelehrt hat. Bei diesen Vergleichen und auch bei seiner Kritik an den Zust\u00e4nden in manchen Kl\u00f6stern nimmt Zhenhua kein Blatt vor den Mund und gibt mehr als einmal rechtfertigend zu bedenken, dass seine Kritik zwar unangebracht erscheint, aber irgendwie doch zum Wohle des Dharma vorgetragen wird. Wir erfahren, dass der chinesische Buddhismus nach au\u00dfen hin zwar als Einheit in Erscheinung tritt, sich tats\u00e4chlich aber in verschiedene Praxis-Str\u00f6mungen aufspaltet, welche die einzelnen Kl\u00f6ster jeweils dominieren. So erw\u00e4hnt Zhenhua sp\u00e4ter von seinen Optionen, etwa in ein Chan-Kloster (Schwerpunkt Zen), ein Vinaya-Kloster (Schwerpunkt auf den Vorschriften) oder ein Jingtu-Kloster (Schwerpunkt Reines-Land-Buddhismus) einzutreten. Hierbei scheint die Zuordnung der Kl\u00f6ster zu diesen Praxisformen keinesfalls feststehend zu sein, sondern sich vielmehr danach zu richten, wer zum Oberabt des Klosters ernannt wird und welche Dharma-Praxis dieser Abt dann lehrt. So tritt Zhenhua dann sp\u00e4ter in ein Jingtu-Kloster ein, um \u201edie Rezitation des Buddha-Namens zu lernen\u201c und zu studieren. Als Shin-Buddhist stellt man schnell fest, dass der chinesische Buddhismus des Reinen Landes (Jingtu) zwar gewisse \u00c4hnlichkeiten mit seiner japanischen Entsprechung hat, dass es aber insbesondere in der Aus\u00fcbung und der Lebensweise seiner ordinierten Anh\u00e4nger und auch der Laien gro\u00dfe Unterschiede gibt. So steht Zhenhua sp\u00e4ter in der Tradition von Meister Yinguang (*1861 bis +1940), der im chinesischen Buddhismus als 13. Patriarch der Lehren des Reinen Landes angesehen wird. Gegen Ende des Buches beschreibt er die Nenbutsu-Retreats, die in seinem Kloster abgehalten werden, die sogenannten \u201eBuddha-Wochen\u201c, die er mit \u00e4hnlichen Retreats auf Taiwan, die dort noch heute stattfinden, vergleicht. Er berichtet von wundersamen Ereignissen, die aus seiner Sicht die Wirksamkeit der Reines-Land-Lehren belegen. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war das Buch sehr interessant. Es ist ansprechend geschrieben, einfach zu lesen und auch die chinesisch-buddhistischen Fachbegriffe werden einerseits gut im Anhang erkl\u00e4rt und durchsetzen das Buch andererseits dann auch keinesfalls so, dass es nicht mehr fl\u00fcssig lesbar w\u00e4re. Als ordinierter Zen-Buddhist, der zumindest schon einige Wochen in Tempeln und Kl\u00f6stern der japanischen Tradition hier in Europa, in den USA und in Japan zugebracht hat, ist es nat\u00fcrlich spannend zu lesen, wie das monastische Leben im China des vorherigen Jahrhunderts, vor der Kulturrevolution, ablief. Und als Anh\u00e4nger der Jodo Shinshu hier in Europa ist es auch sehr interessant zu erfahren, wie der Glaube und die Praxis in Bezug auf Buddha Amida in einer anderen Kultur und Traditionslinie sich darstellt. 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