{"id":1553,"date":"2026-02-11T17:24:49","date_gmt":"2026-02-11T16:24:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgjd.de\/?p=1553"},"modified":"2026-02-11T17:24:50","modified_gmt":"2026-02-11T16:24:50","slug":"antworten-im-buddha-dharma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/2026\/02\/11\/antworten-im-buddha-dharma\/","title":{"rendered":"Antworten im Buddha-Dharma"},"content":{"rendered":"\n<p>von Meik N\u00f6rling<\/p>\n\n\n\n<p>In der aktuellen \u201eBuddhismus Aktuell\u201c las ich vor ein paar Tagen zuerst die ersten Abschnitte des Artikels \u201eWarum die Antwort auf Krisenzeiten jenseits von Hoffnung und Furcht liegt\u201c. Darin fordert der Autor, nicht l\u00e4nger auf technologische L\u00f6sungen oder politische Reformen zu hoffen, sondern sich bereits im Vorfeld auf tiefere, existenzielle Formen der Anpassung vorzubereiten. Die eigene Verletzlichkeit und das kollektive Versagen anzuerkennen, w\u00e4re eine Voraussetzung hierf\u00fcr. Der Diskurs \u00fcber Zusammenbruch und Endlichkeit sei allerdings selbst unter denen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen, tabuisiert. Mittlerweile habe ich den ganzen Artikel gelesen, ein paar \u201eL\u00f6sungsans\u00e4tze\u201c (wenn man sie so nennen will) waren aufgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich vermisse da allerdings den ganz allgemeinen Hinweis, dass der Buddha-Dharma tats\u00e4chlich doch stets Antworten auf dringliche Fragen parat hat! Ich meine hier keine konkreten Antworten darauf, wie man der sogenannten \u201ePolykrise\u201c, also dem geh\u00e4uften Autreten von mehreren zusammenh\u00e4ngenden Krisen in Klima, Wirtschaft, Resourcen, Fluchtbewegungen und globalen Kriegen, Herr werden kann. Ich meine Hinweise darauf, was man selbst, ganz pers\u00f6nlich, tun kann, wie man sich verhalten k\u00f6nnte oder sollte, als Buddhist und ganz allgemein als Mensch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich k\u00f6nnte hier jetzt den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edler_achtfacher_Pfad\">Edlen Achtfachen Pfad<\/a> aus Buddhas erster Lehrrede oder die <a href=\"https:\/\/plumvillage.org\/de\/die-funf-achtsamkeitsubungen\">F\u00fcnf Achtsamkeits\u00fcbungen der Plum Village-Sangha<\/a> nach Thich Nhat Hanh anf\u00fchren, beides mehr als brauchbare Hinweise und Handlungsempfehlungen. Als Zen-Buddhist und Anh\u00e4nger der Jodo Shinshu, und auf dieser Website der BGJ-D, soll es allerdings um andere Hinweise gehen. Um Hinweise, die freilich aber auch auf dem Edlen Achtfachen Pfad und auf den allgemeinen buddhistischen Verhaltensregeln (Sila) gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kommen wir zun\u00e4chst zu den Ursachen. Aus Buddhas erster Lehrrede entlehnt, hei\u00dft es auch im Bekenntnis der DBU: \u201e<em>Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung<\/em>\u201c. Gier, Hass und Verblendung sollten nicht nur allein w\u00f6rtlich genommen werden, sondern in gewisser Weise auch stellvertretend f\u00fcr andere unheilsame Eigenschaften, die mit \u201ehaben-wollen\u201c, \u201evermeiden-wollen\u201c und \u201enicht-wahrhaben oder wahr-nehmen wollen\u201c einher gehen. Das sind insbesondere auch: Egoismus, Ego-Zentriertheit, Gefallsucht, Bequemlichkeit, Leidenschaften, Langeweile, Ignoranz, Polarisierung, Idealismus und Extremismus. Ungesch\u00f6nt betrachtet, sind viele dieser Eigenschaften genau jene, die von Werbung aufgegriffen werden, sei es von Produkt-Werbung, von Wahl- oder Partei-Werbung, von Algorithmus-Auswertungen oder \u00e4hnlichem. Es wird an diese Eigenschaften mit unheilsamem Potential appelliert um ein bestimmtes Kaufverhalten oder bestimmte Entscheidungen zu forcieren. Dar\u00fcber sollte man sich ohne Frage im Klaren sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines der wichtigsten Kapitel von Meister Dogens Hauptwerk \u201eShobogenzo\u201c ist meines Erachtens das Kapitel \u201eShoaku makusa\u201c, meist mit \u201eErzeuge kein Unrecht\u201c \u00fcbersetzt. Dogen Zenji beginnt das Kapitel mit dem Zitat: \u201e<em>Ein alter Buddha sagte: \u201eEnthalte dich von allem \u00dcbel, praktiziere alles, was gut ist, reinige deinen Geist; dies ist die Lehre aller Buddhas\u201c.<\/em>\u201c (Shobogenzo. Gesamtausgabe im Angkor-Verlag) Damit ist eigentlich schon alles gesagt, alles Wichtige geschrieben. Hier k\u00f6nnte ich bereits enden. Trotzdem will ich diesem Einleitungssatz eine moderne Interpretation des folgenden Satzes an die Seite stellen. Dieser Satz lautet in der Gesamtausgabe wie folgt: \u201e<em>Selbst dann, wenn das \u00dcbel die Welt in mehreren Schichten zudeckt und die Elemente in sich aufsaugt, ist es immer noch die L<\/em><em>o<\/em><em>sl\u00f6sung des Enthaltens vom \u00dcbel<\/em>\u201c. Das kam f\u00fcr mich immer etwas kryptisch, gar unverst\u00e4ndlich daher, bis ich Brad Warners Buch \u201eDon\u2019t be a Jerk\u201c (\u201eSei kein Idiot\u201c) las. Darin interpretiert er diesen Satz mit: \u201e<em>Selbst wenn das ganze Universum nichts anderes ist als ein Haufen von Idioten, die alle denkbaren idiotischen Dinge anstellen, selbst dann gibt es noch immer Befreiung, die darin besteht, einfach selbst kein Idiot zu sein<\/em>\u201c. (Von mir \u00fcbersetzt.) Auch wenn es die Mehrheit macht, selbst wenn es alle tun, obwohl es offensichtlich unheilsam ist, dann verk\u00f6rpern wir die Befreiung indem wir selbst eben nicht Teil des Problems werden. Sich anders entscheiden, zum Jasagen \u201eNein!\u201c sagen, gerade auch fragw\u00fcrdigen Leits\u00e4tzen wie \u201e<em>Haben ist besser als Brauchen<\/em>\u201c, oder der allgemeinen \u201eMitnahme-Mentalit\u00e4t\u201c eine Absage erteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund sollte man sich auch die Frage gefallen lassen, inwieweit man eigentlich dazu bereit ist, das eigene Leben vom Dharma bestimmen zu lassen. Folge ich dem Dharma um eine positive Ver\u00e4nderung meiner selbst und meiner Umwelt herzustellen? Bin ich nur Buddhist um mit diesem \u201eBuddhist-sein\u201c mein Ego aufzubl\u00e4hen? Oder nutze ich das, was der Buddhismus anbietet, ausschlie\u00dflich daf\u00fcr um mich mit Erfolg, Wohlstand und Ansehen schm\u00fccken zu k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Geschreibsel soll keinesfalls als moralischer Zeigefinger herhalten \u2013 ich bin kein Moralapostel, sondern unterschreibe aufrichtig zusammen mit Shinran Shonin das Bekenntnis ein \u201e<em>dummes Wesen voll von blinden Leidenschaften<\/em>\u201c zu sein. Und insbesondere Meister Shinran war ein Verfechter der Selbstreflexion, des ungesch\u00f6nten Blicks in die eigenen Abgr\u00fcnde, Leidenschaften und Unzul\u00e4nglichkeiten, sowie ein Lehrer in Sachen Dankbarkeit. Dankbarkeit geht mit Zufriedenheit einher, hier nicht als Zustand oder Gef\u00fchl anzusehen, sondern als Lebenseinstellung. Im Mahlzeiten-Sutra der Zen-Tradition hei\u00dft es: \u201e<em>Zeigen wir Dankbarkeit und haben wir es durch unsere Taten und \u00dcbung verdient. Habsucht ist ein Hindernis f\u00fcr den Frieden des Geistes; diese Mahlzeit ist Medizin, die unser Leben erh\u00e4lt<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstreflexion kann nur wirklich funktionieren, wenn man sich auch die eigene Unwissenheit und Unkenntnis, sowie die eigenen Vorurteile eingesteht, und die Betrachtungen nicht allein auf bereits gefasste Meinungen und Ansichten und dem, was man zu wissen glaubt, aufbaut. Ein solches \u201eNichtwissen\u201c kann dann zu einem wirklich positiven Katalysator werden. So hei\u00dft es bei den Zen-Peacemakers: \u201e<em>Nichtwissen ist der Ursprung aller Lebens\u00e4u\u00dferungen. Ich betrachte alle \u00c4u\u00dferungen des Lebens als Lehren des Nichtwissens<\/em>\u201c. Wahrhaft \u201enichtwissend\u201c sein bedeutet, alles unvoreingenommen und ohne Vorurteil wahrzunehmen. Eben keine schnellen, kurzen und einfachen Antworten herbeisehnen, die man dann unter \u201eDas habe ich verstanden\u201c ablegt &#8211; wie schon Sokrates sagte: \u201e<em>Ich wei\u00df, dass ich nichts wei\u00df<\/em>\u201c. Mit aufrichtiger Selbstreflexion und Dankbarkeit kann es tats\u00e4chlich gelingen, nicht immerzu nur Teil des Problems zu sein, sondern ab und an auch zur L\u00f6sung beizutragen, ganz nat\u00fcrlich, vielleicht nicht sofort zur umfassenden L\u00f6sung der Polykrise, sondern mit jeder einzelnen Entscheidung, immer ein kleines Bisschen mehr, kontinuierlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Gomonshu-sama, Kojun Ohtani schreibt in seinem neuen Ryogemon: \u201e<em>Mit dem Dharma als meiner Richtschnur lebend, erweichen mein starres Herz und mein Verstand. Dankbarkeit f\u00fcr das Geschenk des Lebens, das ich erhalten habe, befreit mich davon, mich in Gier und Wut zu verlieren.<\/em>\u201c Und im \u201eJodo Shinshu Seikatsu Shinjo\u201c hei\u00dft es: \u201e<em>Das Licht des Buddha verehrend, <\/em><em>werfe <\/em><em>ich meine Anstrengungen mit Selbstreflexion und Dankbarkeit in meine T\u00e4tigkeiten.<\/em>\u201c (Hier von der Website des Kelowna Buddhist Temple \u00fcbersetzt, vgl. aber auch unser rotes Andachtsbuch \u201eShinshu Gongyoshu\u201c, 2. Auflage von 2017.)<\/p>\n\n\n\n<p>Ist der Buddha-Dharma als Antwort auf die aktuellen Krisen ausreichend? Ich sag\u2019s mal so: Haben wir als Buddhisten denn eine andere Alternative?<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend f\u00e4llt mir dazu noch ein Ausspruch unseres verstorbenen Rodaishi-sama, Daisetsu Tangen Harada, ein, den er bei einem Trauerfall zu meinem eigenen Meister, Bus-san Shoshin Roshi \u00e4u\u00dferte: \u201e<em>Don\u2019t worry \u2013 all is One!<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gassho<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/erzeuge-kein-unrecht-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1554\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/erzeuge-kein-unrecht-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/erzeuge-kein-unrecht-300x225.jpeg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/erzeuge-kein-unrecht-768x576.jpeg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/erzeuge-kein-unrecht-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/erzeuge-kein-unrecht-1140x855.jpeg 1140w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/erzeuge-kein-unrecht.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kanji f\u00fcr &#8220;Shoaku makusa&#8221; (&#8220;Erzeuge kein Unrecht&#8221;)<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Meik N\u00f6rling In der aktuellen \u201eBuddhismus Aktuell\u201c las ich vor ein paar Tagen zuerst die ersten Abschnitte des Artikels \u201eWarum die Antwort auf Krisenzeiten jenseits von Hoffnung und Furcht liegt\u201c. Darin fordert der Autor, nicht l\u00e4nger auf technologische L\u00f6sungen oder politische Reformen zu hoffen, sondern sich bereits im Vorfeld auf tiefere, existenzielle Formen der Anpassung vorzubereiten. Die eigene Verletzlichkeit und das kollektive Versagen anzuerkennen, w\u00e4re eine Voraussetzung hierf\u00fcr. Der Diskurs \u00fcber Zusammenbruch und Endlichkeit sei allerdings selbst unter denen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen, tabuisiert. Mittlerweile habe ich den ganzen Artikel gelesen, ein paar \u201eL\u00f6sungsans\u00e4tze\u201c (wenn man sie so nennen will) waren aufgef\u00fchrt. Ich vermisse da allerdings den ganz allgemeinen Hinweis, dass der Buddha-Dharma tats\u00e4chlich doch stets Antworten auf dringliche Fragen parat hat! Ich meine hier keine konkreten Antworten darauf, wie man der sogenannten \u201ePolykrise\u201c, also dem geh\u00e4uften Autreten von mehreren zusammenh\u00e4ngenden Krisen in Klima, Wirtschaft, Resourcen, Fluchtbewegungen und globalen Kriegen, Herr werden kann. Ich meine Hinweise darauf, was man selbst, ganz pers\u00f6nlich, tun kann, wie man sich verhalten k\u00f6nnte oder sollte, als Buddhist und ganz allgemein als Mensch. Ich k\u00f6nnte hier jetzt den Edlen Achtfachen Pfad aus Buddhas erster Lehrrede oder die F\u00fcnf Achtsamkeits\u00fcbungen der Plum Village-Sangha nach Thich Nhat Hanh anf\u00fchren, beides mehr als brauchbare Hinweise und Handlungsempfehlungen. Als Zen-Buddhist und Anh\u00e4nger der Jodo Shinshu, und auf dieser Website der BGJ-D, soll es allerdings um andere Hinweise gehen. Um Hinweise, die freilich aber auch auf dem Edlen Achtfachen Pfad und auf den allgemeinen buddhistischen Verhaltensregeln (Sila) gr\u00fcnden. Doch kommen wir zun\u00e4chst zu den Ursachen. Aus Buddhas erster Lehrrede entlehnt, hei\u00dft es auch im Bekenntnis der DBU: \u201eUrsachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung\u201c. Gier, Hass und Verblendung sollten nicht nur allein w\u00f6rtlich genommen werden, sondern in gewisser Weise auch stellvertretend f\u00fcr andere unheilsame Eigenschaften, die mit \u201ehaben-wollen\u201c, \u201evermeiden-wollen\u201c und \u201enicht-wahrhaben oder wahr-nehmen wollen\u201c einher gehen. Das sind insbesondere auch: Egoismus, Ego-Zentriertheit, Gefallsucht, Bequemlichkeit, Leidenschaften, Langeweile, Ignoranz, Polarisierung, Idealismus und Extremismus. Ungesch\u00f6nt betrachtet, sind viele dieser Eigenschaften genau jene, die von Werbung aufgegriffen werden, sei es von Produkt-Werbung, von Wahl- oder Partei-Werbung, von Algorithmus-Auswertungen oder \u00e4hnlichem. Es wird an diese Eigenschaften mit unheilsamem Potential appelliert um ein bestimmtes Kaufverhalten oder bestimmte Entscheidungen zu forcieren. Dar\u00fcber sollte man sich ohne Frage im Klaren sein. Eines der wichtigsten Kapitel von Meister Dogens Hauptwerk \u201eShobogenzo\u201c ist meines Erachtens das Kapitel \u201eShoaku makusa\u201c, meist mit \u201eErzeuge kein Unrecht\u201c \u00fcbersetzt. Dogen Zenji beginnt das Kapitel mit dem Zitat: \u201eEin alter Buddha sagte: \u201eEnthalte dich von allem \u00dcbel, praktiziere alles, was gut ist, reinige deinen Geist; dies ist die Lehre aller Buddhas\u201c.\u201c (Shobogenzo. Gesamtausgabe im Angkor-Verlag) Damit ist eigentlich schon alles gesagt, alles Wichtige geschrieben. Hier k\u00f6nnte ich bereits enden. Trotzdem will ich diesem Einleitungssatz eine moderne Interpretation des folgenden Satzes an die Seite stellen. Dieser Satz lautet in der Gesamtausgabe wie folgt: \u201eSelbst dann, wenn das \u00dcbel die Welt in mehreren Schichten zudeckt und die Elemente in sich aufsaugt, ist es immer noch die Losl\u00f6sung des Enthaltens vom \u00dcbel\u201c. Das kam f\u00fcr mich immer etwas kryptisch, gar unverst\u00e4ndlich daher, bis ich Brad Warners Buch \u201eDon\u2019t be a Jerk\u201c (\u201eSei kein Idiot\u201c) las. Darin interpretiert er diesen Satz mit: \u201eSelbst wenn das ganze Universum nichts anderes ist als ein Haufen von Idioten, die alle denkbaren idiotischen Dinge anstellen, selbst dann gibt es noch immer Befreiung, die darin besteht, einfach selbst kein Idiot zu sein\u201c. (Von mir \u00fcbersetzt.) Auch wenn es die Mehrheit macht, selbst wenn es alle tun, obwohl es offensichtlich unheilsam ist, dann verk\u00f6rpern wir die Befreiung indem wir selbst eben nicht Teil des Problems werden. Sich anders entscheiden, zum Jasagen \u201eNein!\u201c sagen, gerade auch fragw\u00fcrdigen Leits\u00e4tzen wie \u201eHaben ist besser als Brauchen\u201c, oder der allgemeinen \u201eMitnahme-Mentalit\u00e4t\u201c eine Absage erteilen. Vor diesem Hintergrund sollte man sich auch die Frage gefallen lassen, inwieweit man eigentlich dazu bereit ist, das eigene Leben vom Dharma bestimmen zu lassen. Folge ich dem Dharma um eine positive Ver\u00e4nderung meiner selbst und meiner Umwelt herzustellen? Bin ich nur Buddhist um mit diesem \u201eBuddhist-sein\u201c mein Ego aufzubl\u00e4hen? Oder nutze ich das, was der Buddhismus anbietet, ausschlie\u00dflich daf\u00fcr um mich mit Erfolg, Wohlstand und Ansehen schm\u00fccken zu k\u00f6nnen? Mein Geschreibsel soll keinesfalls als moralischer Zeigefinger herhalten \u2013 ich bin kein Moralapostel, sondern unterschreibe aufrichtig zusammen mit Shinran Shonin das Bekenntnis ein \u201edummes Wesen voll von blinden Leidenschaften\u201c zu sein. Und insbesondere Meister Shinran war ein Verfechter der Selbstreflexion, des ungesch\u00f6nten Blicks in die eigenen Abgr\u00fcnde, Leidenschaften und Unzul\u00e4nglichkeiten, sowie ein Lehrer in Sachen Dankbarkeit. Dankbarkeit geht mit Zufriedenheit einher, hier nicht als Zustand oder Gef\u00fchl anzusehen, sondern als Lebenseinstellung. Im Mahlzeiten-Sutra der Zen-Tradition hei\u00dft es: \u201eZeigen wir Dankbarkeit und haben wir es durch unsere Taten und \u00dcbung verdient. Habsucht ist ein Hindernis f\u00fcr den Frieden des Geistes; diese Mahlzeit ist Medizin, die unser Leben erh\u00e4lt\u201c. Selbstreflexion kann nur wirklich funktionieren, wenn man sich auch die eigene Unwissenheit und Unkenntnis, sowie die eigenen Vorurteile eingesteht, und die Betrachtungen nicht allein auf bereits gefasste Meinungen und Ansichten und dem, was man zu wissen glaubt, aufbaut. Ein solches \u201eNichtwissen\u201c kann dann zu einem wirklich positiven Katalysator werden. So hei\u00dft es bei den Zen-Peacemakers: \u201eNichtwissen ist der Ursprung aller Lebens\u00e4u\u00dferungen. Ich betrachte alle \u00c4u\u00dferungen des Lebens als Lehren des Nichtwissens\u201c. Wahrhaft \u201enichtwissend\u201c sein bedeutet, alles unvoreingenommen und ohne Vorurteil wahrzunehmen. Eben keine schnellen, kurzen und einfachen Antworten herbeisehnen, die man dann unter \u201eDas habe ich verstanden\u201c ablegt &#8211; wie schon Sokrates sagte: \u201eIch wei\u00df, dass ich nichts wei\u00df\u201c. Mit aufrichtiger Selbstreflexion und Dankbarkeit kann es tats\u00e4chlich gelingen, nicht immerzu nur Teil des Problems zu sein, sondern ab und an auch zur L\u00f6sung beizutragen, ganz nat\u00fcrlich, vielleicht nicht sofort zur umfassenden L\u00f6sung der Polykrise, sondern mit jeder einzelnen Entscheidung, immer ein kleines Bisschen mehr, kontinuierlich. Gomonshu-sama, Kojun Ohtani schreibt in seinem neuen Ryogemon: \u201eMit dem Dharma als meiner Richtschnur lebend, erweichen mein starres Herz und mein Verstand. Dankbarkeit f\u00fcr das Geschenk des Lebens, das ich erhalten habe, befreit mich davon, mich in Gier und Wut zu verlieren.\u201c Und im \u201eJodo Shinshu Seikatsu Shinjo\u201c hei\u00dft es: \u201eDas Licht des Buddha verehrend, werfe ich meine Anstrengungen mit Selbstreflexion und Dankbarkeit in meine T\u00e4tigkeiten.\u201c (Hier von der Website des Kelowna Buddhist Temple \u00fcbersetzt, vgl. aber auch unser rotes Andachtsbuch \u201eShinshu Gongyoshu\u201c, 2. Auflage von 2017.) Ist der Buddha-Dharma als Antwort auf die aktuellen Krisen ausreichend? Ich sag\u2019s mal so: Haben wir als Buddhisten denn eine andere Alternative? Abschlie\u00dfend f\u00e4llt mir dazu noch ein Ausspruch unseres verstorbenen Rodaishi-sama, Daisetsu Tangen Harada, ein, den er bei einem Trauerfall zu meinem eigenen Meister, Bus-san Shoshin Roshi \u00e4u\u00dferte: \u201eDon\u2019t worry \u2013 all is One!\u201c Gassho<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1553","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.1","language":"gb","enabled_languages":["de","gb"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"gb":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1553"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1555,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1553\/revisions\/1555"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}