{"id":1561,"date":"2026-03-05T18:19:36","date_gmt":"2026-03-05T17:19:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bgjd.de\/?p=1561"},"modified":"2026-03-05T18:19:36","modified_gmt":"2026-03-05T17:19:36","slug":"staubtuch-staubtuch-die-geschichte-von-chulapanthaka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bgjd.de\/gb\/2026\/03\/05\/staubtuch-staubtuch-die-geschichte-von-chulapanthaka\/","title":{"rendered":"Staubtuch, Staubtuch! Die Geschichte von Chulapanthaka"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Die Geschichte von Chulapanthaka nacherz\u00e4hlt, die sich eher in der Pali-Tradition findet. Warum man sie hier im Blog auf der Webseite der deutschsprachigen Jodo Shinshu Gemeinschaft findet? Vielleicht gibt es hier und da Ankn\u00fcpfungspunkte und Beziehungslinien &#8230;)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So habe ich geh\u00f6rt von einer, die es von woanders her geh\u00f6rt hat. Dies ist die Geschichte von Chulapanthaka, einem Sch\u00fcler des Buddha, langsam und tumb, der zu einem wurde, der aufwachte und aufmerksam war und wusste, was getan werden musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter von Chulapanthaka war die Tochter eines reichen Mannes. Sie ging eine Beziehung mit einem Diener ein und floh aus dem wohlhabenen Haus. Als die Zeit der Geburt nahte, beschloss sie, in ihr Elternhaus zur\u00fcckzukehren. Doch auf dem Weg gebar sie ihren ersten Sohn, und nannte ihn &#8220;Panthaka&#8221;, das bedeutet: &#8220;Am Stra\u00dfenrand geboren&#8221;. Sie kehrte wieder um, ohne ihren Eltern ihr erstes Enkelkind zu zeigen. Als sie erneut schwanger wurde, beschloss sie wieder, ihre Eltern aufzusuchen. Doch wieder gebar sie einen Sohn, noch bevor sie ihr Ziel erreichte. Diesen nannte sie nun &#8220;Chulapanthaka&#8221;, das bedeutet: &#8220;Kleiner Am-Stra\u00dfenrand-Geborener&#8221;. Und fortan, nannte man den Erstgeborenen &#8220;Mahapanthaka&#8221;, das bedeutet &#8220;Gro\u00dfer Am-Stra\u00dfenrand-Geborener&#8221;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mahapanthaka hatte sp\u00e4ter die Gelegenheit, in die Hauslosigkeit zu gehen als Sch\u00fcler des Buddha. Und da die beiden Br\u00fcder immer gut aufeinander achteten, w\u00fcnschte sich Mahapanthaka, dass sein kleiner Bruder, Chulapanthaka, ebenso das Gl\u00fcck der Hauslosigkeit erfuhr. Es war ein gl\u00fccklicher Tag f\u00fcr Chulapanthaka als er der Gemeinschaft des Lehrers aus dem Shakya-Clan beitrat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zu jener Zeit, sagte man sich die Lehre des Shakya-Weisen noch m\u00fcndlich weiter. Man rezitierte und wiederholte und memorierte alles. Mahapanthaka gab seinem j\u00fcngeren Bruder einen Vers zum rezitieren und auswendig lernen. Aber es war eine einzige Qu\u00e4lerei! Chulapanthaka brauchte vier Monate bis er es endlich schaffte, alle Silben dieses einen Verses aufzusagen. Als der f\u00fcnfte Monat jedoch anbrach, begann er wieder die ersten Silben der Zeile zu vergessen. Chulapanthaka war langsam und tumb, ein hoffnungsloser Fall!<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages wollte der Arzt Jivaka die Gemeinschaft der Hauslosen bei sich bewirten. Er begab sich zu dem Park, wo die Hauslosen ihr Quartier aufgeschlagen hatten und erkundigte sich: &#8220;Wie viele beispielhafte Sch\u00fcler des Shakya-Weisen \u00fcben hier?&#8221; Man antwortete ihm: &#8220;Vierhundertneunundneunzig.&#8221;, denn alle rechneten bereits damit, dass Chulapanthaka die Gemeinschaft verlassen w\u00fcrde, um wieder einen Haushalt zu f\u00fchren. Wie sollte jemand, der nicht mal eine einzige Zeile rezitieren konnte, jemals gen\u00fcgend Konzentration und Sati kultivieren k\u00f6nnen, um an das Nibbana-Ufer zu gelangen? Chulapanthaka bekam das mit und wurde traurig. Trotzdem versuchte er sich selber zu tr\u00f6sten: Auch als jemand, der einem Haus vorsteht, k\u00f6nnte er doch den Shakya-Weisen und seine Gemeinschaft der \u00dcbenden unterst\u00fctzen?<\/p>\n\n\n\n<p>Als Chulapanthaka zu seinem Lager ging, um seine Sachen zu packen, begegnete ihm der Buddha, der ihn ansprach: &#8220;Leistest du mir etwas Gesellschaft?&#8221; So gingen sie gemeinsam und setzten sich vor das Zelt des Shakya-Weisen. Dort gab ihm der Lehrer ein wei\u00dfes Tuch und wies ihn an, sich nach Osten zu wenden, das Tuch in seinen H\u00e4nden zu reiben und dabei zu rezitieren: &#8220;Rachoharanang, Rachoharanang.&#8221; In vielen Nacherz\u00e4hlungen wird &#8220;Rachoharanang&#8221; interpretierend \u00fcbersetzt, aber im Grunde genommen bedeutet es blo\u00df &#8220;Staubtuch&#8221;. Der Shakya-Weise lie\u00df ihn mit dieser Aufgabe allein und Chulapanthaka tat schlicht wie ihm gehei\u00dfen. Als er das wei\u00dfe Tuch zwischen seinen H\u00e4nden rieb und dabei &#8220;Rachoharanang, rachoharanang, Staubtuch, Staubtuch&#8221; rezitierte, nahm er wahr, dass der Stoff Schmutz und Schwei\u00df aufnahm. Nichtbest\u00e4ndigkeit! Alles ver\u00e4ndert sich stetig! Er erinnerte sich an die Lehre des Shakya-Weisen. Auch er selbst war der Nichtbest\u00e4ndigkeit unterworfen. Und er besann sich darauf, dass es eine gro\u00dfe Aufgabe war, den Staub des Begehrens, den Staub des Hassens und den Staub der Verblendung weg zu nehmen. Wie wichtig war es, B\u00f6ses zu unterlassen, Gutes zu tun und das Herz zu reinigen! Es schien ihm so, als h\u00e4tte er das alles schon einmal gelernt, vor langer langer Zeit, noch vor dieser Geburt am Stra\u00dfenrand vielleicht.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Unterdesssen im Haus des Arztes Jivaka wollte man schon mit dem Mahl beginnen. Doch der Buddha sagte: &#8220;Die Gemeinschaft der \u00dcbenden ist noch nicht vollst\u00e4ndig.&#8221; Der Arzt Jivaka fragte: &#8220;Aber Herr, alle 499 ehrw\u00fcrdigen Sch\u00fcler sind doch anwesend?&#8221; Der Buddha insistierte: &#8220;Einer fehlt noch. Schickt nach Chulapanthaka! Wir k\u00f6nnen erst gemeinsam essen, wenn alle da sind.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Bote wurde zum Park geschickt, um nach Chulanpanthaka zu suchen. Aber was f\u00fcr ein Anblick! Da waren tausend Chulapanthakas, die jeder etwas anderes taten: einer wusch Roben, einer h\u00e4ngte sie zum Trocknen auf, einer putzte die Almosenschalen, wieder ein anderer fegte die Wege frei &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Bote Chulapanthakas Namen rief, ert\u00f6nte es tausendfach: &#8220;Hier bin ich!&#8221; Der Bote richtete ihm aus: &#8220;Bitte vergib uns, Chulapanthaka. Der Buddha ruft dich zur Essensspende im Haus des Arztes Jivaka. Komm wieder in unsere Reihen. Dann sind wir wieder komplett!&#8221; Ein einzelner Chulapanthaka nahm die Bitte an und gesellte sich als beispielhaft \u00dcbender zu den R\u00e4ngen der beispielhaft \u00dcbenden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn heute in Thailand Menschen meditieren \u00fcben, begleiten manche die Aufmerksameit auf die Atembewegung mit der Rezitation &#8220;Buddho&#8221;. Es gibt einige wenige jedoch, die statt &#8220;Buddho&#8221; oder &#8220;ein &#8211; aus&#8221; sich als Begleitwort f\u00fcr den Atem aussuchen, vielleicht weil sie sich als Menschen sehen, die nicht gelehrt sind, oder weil sie sich f\u00fchlen, als w\u00e4ren sie am Stra\u00dfenrand geboren: &#8220;Rachoharanang, Rachoharanang, Staubtuch, Staubtuch!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Putzlappen_01_fcm-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1562\" srcset=\"https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Putzlappen_01_fcm-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Putzlappen_01_fcm-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Putzlappen_01_fcm-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Putzlappen_01_fcm-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Putzlappen_01_fcm-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.bgjd.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Putzlappen_01_fcm-1140x760.jpg 1140w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Putztuch (Quelle: Wikimedia Commons)<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Die Geschichte von Chulapanthaka nacherz\u00e4hlt, die sich eher in der Pali-Tradition findet. 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Doch wieder gebar sie einen Sohn, noch bevor sie ihr Ziel erreichte. Diesen nannte sie nun &#8220;Chulapanthaka&#8221;, das bedeutet: &#8220;Kleiner Am-Stra\u00dfenrand-Geborener&#8221;. Und fortan, nannte man den Erstgeborenen &#8220;Mahapanthaka&#8221;, das bedeutet &#8220;Gro\u00dfer Am-Stra\u00dfenrand-Geborener&#8221;.&nbsp; Mahapanthaka hatte sp\u00e4ter die Gelegenheit, in die Hauslosigkeit zu gehen als Sch\u00fcler des Buddha. Und da die beiden Br\u00fcder immer gut aufeinander achteten, w\u00fcnschte sich Mahapanthaka, dass sein kleiner Bruder, Chulapanthaka, ebenso das Gl\u00fcck der Hauslosigkeit erfuhr. Es war ein gl\u00fccklicher Tag f\u00fcr Chulapanthaka als er der Gemeinschaft des Lehrers aus dem Shakya-Clan beitrat.&nbsp; Zu jener Zeit, sagte man sich die Lehre des Shakya-Weisen noch m\u00fcndlich weiter. Man rezitierte und wiederholte und memorierte alles. Mahapanthaka gab seinem j\u00fcngeren Bruder einen Vers zum rezitieren und auswendig lernen. Aber es war eine einzige Qu\u00e4lerei! Chulapanthaka brauchte vier Monate bis er es endlich schaffte, alle Silben dieses einen Verses aufzusagen. Als der f\u00fcnfte Monat jedoch anbrach, begann er wieder die ersten Silben der Zeile zu vergessen. Chulapanthaka war langsam und tumb, ein hoffnungsloser Fall! Eines Tages wollte der Arzt Jivaka die Gemeinschaft der Hauslosen bei sich bewirten. Er begab sich zu dem Park, wo die Hauslosen ihr Quartier aufgeschlagen hatten und erkundigte sich: &#8220;Wie viele beispielhafte Sch\u00fcler des Shakya-Weisen \u00fcben hier?&#8221; Man antwortete ihm: &#8220;Vierhundertneunundneunzig.&#8221;, denn alle rechneten bereits damit, dass Chulapanthaka die Gemeinschaft verlassen w\u00fcrde, um wieder einen Haushalt zu f\u00fchren. Wie sollte jemand, der nicht mal eine einzige Zeile rezitieren konnte, jemals gen\u00fcgend Konzentration und Sati kultivieren k\u00f6nnen, um an das Nibbana-Ufer zu gelangen? Chulapanthaka bekam das mit und wurde traurig. Trotzdem versuchte er sich selber zu tr\u00f6sten: Auch als jemand, der einem Haus vorsteht, k\u00f6nnte er doch den Shakya-Weisen und seine Gemeinschaft der \u00dcbenden unterst\u00fctzen? Als Chulapanthaka zu seinem Lager ging, um seine Sachen zu packen, begegnete ihm der Buddha, der ihn ansprach: &#8220;Leistest du mir etwas Gesellschaft?&#8221; So gingen sie gemeinsam und setzten sich vor das Zelt des Shakya-Weisen. Dort gab ihm der Lehrer ein wei\u00dfes Tuch und wies ihn an, sich nach Osten zu wenden, das Tuch in seinen H\u00e4nden zu reiben und dabei zu rezitieren: &#8220;Rachoharanang, Rachoharanang.&#8221; In vielen Nacherz\u00e4hlungen wird &#8220;Rachoharanang&#8221; interpretierend \u00fcbersetzt, aber im Grunde genommen bedeutet es blo\u00df &#8220;Staubtuch&#8221;. Der Shakya-Weise lie\u00df ihn mit dieser Aufgabe allein und Chulapanthaka tat schlicht wie ihm gehei\u00dfen. Als er das wei\u00dfe Tuch zwischen seinen H\u00e4nden rieb und dabei &#8220;Rachoharanang, rachoharanang, Staubtuch, Staubtuch&#8221; rezitierte, nahm er wahr, dass der Stoff Schmutz und Schwei\u00df aufnahm. Nichtbest\u00e4ndigkeit! Alles ver\u00e4ndert sich stetig! Er erinnerte sich an die Lehre des Shakya-Weisen. Auch er selbst war der Nichtbest\u00e4ndigkeit unterworfen. Und er besann sich darauf, dass es eine gro\u00dfe Aufgabe war, den Staub des Begehrens, den Staub des Hassens und den Staub der Verblendung weg zu nehmen. Wie wichtig war es, B\u00f6ses zu unterlassen, Gutes zu tun und das Herz zu reinigen! Es schien ihm so, als h\u00e4tte er das alles schon einmal gelernt, vor langer langer Zeit, noch vor dieser Geburt am Stra\u00dfenrand vielleicht.\u00a0 Unterdesssen im Haus des Arztes Jivaka wollte man schon mit dem Mahl beginnen. Doch der Buddha sagte: &#8220;Die Gemeinschaft der \u00dcbenden ist noch nicht vollst\u00e4ndig.&#8221; Der Arzt Jivaka fragte: &#8220;Aber Herr, alle 499 ehrw\u00fcrdigen Sch\u00fcler sind doch anwesend?&#8221; Der Buddha insistierte: &#8220;Einer fehlt noch. Schickt nach Chulapanthaka! Wir k\u00f6nnen erst gemeinsam essen, wenn alle da sind.&#8221; Ein Bote wurde zum Park geschickt, um nach Chulanpanthaka zu suchen. Aber was f\u00fcr ein Anblick! Da waren tausend Chulapanthakas, die jeder etwas anderes taten: einer wusch Roben, einer h\u00e4ngte sie zum Trocknen auf, einer putzte die Almosenschalen, wieder ein anderer fegte die Wege frei &#8230; Als der Bote Chulapanthakas Namen rief, ert\u00f6nte es tausendfach: &#8220;Hier bin ich!&#8221; Der Bote richtete ihm aus: &#8220;Bitte vergib uns, Chulapanthaka. Der Buddha ruft dich zur Essensspende im Haus des Arztes Jivaka. Komm wieder in unsere Reihen. Dann sind wir wieder komplett!&#8221; Ein einzelner Chulapanthaka nahm die Bitte an und gesellte sich als beispielhaft \u00dcbender zu den R\u00e4ngen der beispielhaft \u00dcbenden.&nbsp; Wenn heute in Thailand Menschen meditieren \u00fcben, begleiten manche die Aufmerksameit auf die Atembewegung mit der Rezitation &#8220;Buddho&#8221;. 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