Allgemein

Als Unsui und Shin-Buddhist nach Südkorea

von Meik Nörling

Südkorea hatte ich bereits 2016 und 2017 bereist – 2017 aber nur die Stadt Busan im Rahmen einer dreiwöchigen Japan-Reise – hatte das Land bei meiner zweiten Weltreise 2024 dann ausgespart. So entschied ich mich nun, Ende 2025, dass es mal wieder nach Asien gehen könnte für einen Pilger-Urlaub, diesmal nach Südkorea.

Ursprünglich wollte ich auf den Spuren des koreanischen Meisters Wonhyo (617-686) reisen und die Stationen seiner Pilgerreise vom Osten Südkoreas bis zur Küste südlich von Seoul nachpilgern, wenn auch nicht zu Fuß, sondern mit dem ÖPNV. Das erwies sich aber bei den näheren Planungen als schwierig, denn viele Orte, die Wonhyo während seiner Reise nach China besuchte und viele Klöster, die er später entlang des Weges gründete, sind über das Eisenbahnnetz nicht erreichbar, und Linienbussen nehme ich sehr ungern, wenn ich die Sprache nicht spreche und Englisch auf dem Land nicht so verbreitet ist wie es sein sollte. (Wonhyo kam übrigens nie in China an, da er kurz vor dem Hafen eine Erleuchtungs-Erfahrung hatte, die Reise nicht mehr für nötig hielt und dann umkehrte!) So wurde der zweiwöchige Urlaub dann letztlich keine Pilgerreise „Auf Wonhyo’s Spuren durch Südkorea“, sondern eine „Koreanische Pilgerreise – Südkorea und sein Buddhismus“.

Die ersten Tage verbrachte ich in Seoul und seiner Umgebung, wo ich mir insbesondere das von Meister Yeonhoe im Jahre 794 gegründete Kloster Bongeunsa im Stadtteil Gangnam und das Nonnenkloster Hanmaum im Vorort Anyang ansah. Das heißt eigentlich Hanmaum Seon Center Anyang und wurde von der bekannten Bhikkhuni Daehaeng Kunsunim (1927-2012) gegründet, hat auch eine Niederlassung in Kaarst hier in NRW, die ich 2023 mal besucht hatte.

Mit dem Schnellzug KTX ging es dann in die Stadt Daegu im Zentrum Südkoreas. Die Stadt und insbesondere ihren Hauptbahnhof im Stadtteil Dongdaegu nutzte ich als Basis für weitere Tagestouren. Die führten mich insbesondere zum Hauptkloster Gayasan Haeinsa des koreanischen Jogye-Ordens. Das Kloster ist insbesondere auch dafür bekannt, dass es den Tripitaka Koreana beherbergt – die über 80 000 Druckplatten für die in Korea verbreiteten Mahayana-Sutras. Das Kloster Haeinsa wurde bereits im Jahre 802 gegründet und liegt abseits der Zivilisation in den Bergen östlich von Daegu. Tags darauf besuche ich in der Stadt Gyeongju, mit der Regionalbahn eine Stunde westlich von Daegu, die Ruinen des einstmals riesigen Klosterkomplexes Hwangnyongsa von dem nach dem Angriff mongolischer Reiter im Jahr 1238 nur noch die Ziegelsteinpagode und ein paar Gebäude des Bunhwangsa Tempels übrig sind. Der Bunhwangsa ist quasi der Gedenktempel von Wonhyo, denn er stammte von hier, hier wurde er zum Bhikkhu ordiniert und hier wirkte er hauptsächlich nach der Rückkehr seiner Pilgerreise. Auch sein Grab soll hier irgendwo sein, sehr wahrscheinlich aber nicht in der Ziegelsteinpagode, die heute UNESCO-Welterbe ist.

Für die folgenden sechs Tage geht es dann zurück nach Seoul, wo ich im urbanen Tempel-Hostel JustBe-Temple im Stadtteil Hongdae Aufnahme finde. Der Tempel war einst ein berüchtigtes Backpacker-Hostel und wurde dann während der Pandemie von Meister June-Han Sunim und seinen Schülern übernommen und zum modernen Mini-Kloster mit Temple-Stay-Hostel umgebaut. Hier wird morgens und abends Seon-Meditation (koreanisches Zen) geübt, aber es finden auch andere Aktivitäten wie Yoga, Taichi, Sound- und Licht-Meditation oder Wanderungen statt. Bei der Parade zu Buddhas Geburtstag (Vesak) in Seoul am 16. Mai ist der JustBe-Temple dies Jahr der Hauptausrichter, wie mir der Ehrwürdige June-Han erklärt. Während meines Aufenthalts im Tempel nehme ich morgens und abends am Zazen teil und schaue mir tagsüber noch ein paar von Seouls Sehenswürdigkeiten an. Häufig sitze ich auch in der Tempel-eigenen Tea-Lounge, trinke Tee und spreche mit anderen Reisenden oder mit den Ordinierten, die im Tempel leben über Buddha und die Welt. Die Gespräche kommen meist zwangsläufig auf die buddhistische Praxis zu sprechen, die koreanischen Bhikkhus, Bhikkhunis und Novizen sind schon sehr daran interessiert, wie im Westen Sōtō-Zen geübt wird, oder was die Jōdo Shinshū ausmacht.

Alle der vorgenannten Tempel und Klöster gehören zum koreanischen Hauptorden der Jogye-Tradition, aber ich besuchte auch das Hauptkloster des Taego-Ordens, Ansan Bongwonsa in Seoul, und dort auch einen Tempel des Cheontae-Ordens, den Gwanmunsa.

Wenn einer von euch mal in Seoul ist, in Nepal nahe Pokhara oder in New York City, dann solltet ihr unbedingt in einem von Meister June-Han’s JustBe-Temples reinschauen und dort nach Möglichkeit zwei oder drei Tage übernachten – es lohnt sich auf jeden Fall!

Bhikkhuni Daehang Kunsunim, Hanmaum Seon Center (Anyang)
Tempelhalle im Kloster Gayasan Haeinsa
Hochhaustempel Gwanmunsa (Seoul)
Tea-Lounge im JustBe-Temple (Seoul)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *